Otto, normal verbraucht

Badische Landesbühne zeigt Wirtschafts-Satire

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Einer von vielen: Otto, gespielt von Philipp Dürschmied (rechts), mit seinen Kollegen, die von Markus Hennes, Martin Brunnemann, Tobias Gondolf, Sandra Pohl und Thorsten Engels (von rechts) großartig verkörpert wurden. - © Foto: Badische Landesbühne/Empl
Einer von vielen: Otto, gespielt von Philipp Dürschmied (rechts), mit seinen Kollegen, die von Markus Hennes, Martin Brunnemann, Tobias Gondolf, Sandra Pohl und Thorsten Engels (von rechts) großartig verkörpert wurden. (© Foto: Badische Landesbühne/Empl)

Detmold (abe). Staatstreu, naiv, ohnmächtig - eben "einer von uns": Das ist Otto Rölz. Er ist stolzer Besitzer von fünf Aktien einer Fabrik für Ungeziefervertilgungsmittel, in der er seit einem Jahrzehnt beschäftigt ist. Dass dieser überschaubare Anteil am Firmenkapital den Hilfsarbeiter nicht zum unersetzlichen Teil des Unternehmens macht, wissen seine Kollegen und Vorgesetzten - nur Otto, der weiß das nicht.

In der Produktion, die die Badische Landesbühne im Grabbe-Haus zeigte, verweigert sich Otto, idealistisch verblendet, der Erkenntnis, dass die Produkte der Chemiefirma nicht nur die Ungeziefer, sondern auch ihn vertilgen, körperlich wie geistig. Der soziale Absturz folgt nach einer Arbeitszeitverkürzung, die von der Firmenleitung schamfrei als "Möglichkeit zur kreativen Freizeitentwicklung" kommuniziert wird.

Otto stellt sich für eine Testreihe zur Verfügung, die der Wirksamkeitserforschung eines Giftgasgemisches dient. Dieser Betriebs-Bereich trägt intern einen Kosenamen für Auschwitz. Drastische Bilder wählt Regisseur Carsten Ramm, um das politisch korrekte, aber menschenverachtende Handeln des Unternehmens nachzustellen und entsprechende Parallelen zu ziehen. Ungeheuer eindringlich wirkt etwa eine in warmes Rotlicht getauchte Ermordung der Versuchstiere mit dem Strick, bedrückend gemächlich wird die "Vergasung" der menschlichen Versuchsobjekte in Szene gesetzt.

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