Burghofbühne Dinslaken zeigt deutsch-türkische Performance in der Erlöserkirche

"Elemente - Ögeler"

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Wollen Einblick geben in einen anderen Kulturraum: Hamdi Tanses, Ömer Simsek und Wolfgang Schneider (von rechts) in "Elemente - Ögeler". - © Foto: Landestheater Burghofbühne Dinslaken
Wollen Einblick geben in einen anderen Kulturraum: Hamdi Tanses, Ömer Simsek und Wolfgang Schneider (von rechts) in "Elemente - Ögeler". (© Foto: Landestheater Burghofbühne Dinslaken)

Detmold (ans). Die Burghofbühne Dinslaken hat am Donnerstagabend in der gut besuchten Erlöserkirche eine deutsch-türkische Performance unter dem Titel "Elemente - Ögeler" gezeigt.

Der Regisseur und Schauspieler Ömer Simsek, der Pianist Wolfgang Schneider und der Sänger türkischer Volkslieder Hamdi Tanses versuchten weniger eine Begegnung zweier Kulturen als vielmehr einen Einblick in einen irgendwie auf deutsch adaptierten türkischen Kulturraum. Ein höchst ehrenwertes Bemühen angesichts der Tatsache, dass Menschen, die schon in der dritten Generation in Deutschland leben, immer noch in einer tief türkisch geprägten Kultur aufwachsen. Eine Kultur, die die meisten Deutschen immer noch nicht mitfühlen können.

Das hat Gründe. Kulturräume werden früh aufgenommen. Gesten, Sprache, Landschaft, Lieder und die daran und darin sich bildenden Gefühle und die darauf fußenden kulturellen Symbole und moralischen Werte sind schon tief in das eigene Selbstwertgefühl eingewachsen, bevor das persönliche Verhältnis zur Welt reflektiert wird. Den eigenen Kulturraum also später als einen unter vielen wahrzunehmen ist schier unmöglich, weil das eigene Selbstwertgefühl fundamental damit verknüpft ist. Jeder Hauch von Beliebigkeit kann da zum existenziellen Problem werden. Das Neue, oder noch präziser: das Fremde des anderen Kulturraumes kann allenfalls als interessante Erweiterung der eigenen Lebenswelt erlebt oder wenigstens toleriert werden. Eine existenzielle Bedeutung wird der fremde Kulturraum ab einem gewissen Alter aber nie mehr erhalten. Das wurde während der Gesänge von Hamdi Tanses überdeutlich. Die anwesenden Türken oder "Deutsch-Türken" klatschten immer wieder starken Beifall. Die Deutschen klatschten höflich. Instrument, Liedform und Stimmführung klingen zwar auch für Deutsche interessant, haben aber für sie keine so tiefgehende Bedeutung.

Tanses Liedern stand von türkischen Komponisten geschriebene Klaviermusik gegenüber, die Schneider überzeugend inpretierte, so dass die dort sich findende Mischung nationaler Idiome mit spätromantischer oder moderner Klaviersprache rational zugänglicher war. Die von Ömer Simsek mit nicht immer plausiblen Gesten und in einem sehr artifiziellen Sprachrhythmus vorgetragenen Texte meist berühmter türkischer Dichter, die Schneider oft ins Deutsche übertragen hatte, zeigten allerdings, dass insbesondere das mythisch geprägte Welt- und Naturverhältnis in der Türkei ähnlich beschrieben wird wie ein ebensolches in Deutschland.

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