Beeindruckend modern: Landesbühne Radebeul zeigt selten gespielte "Faust"-Oper von Louis Spohr

Von Ilse Franz-Nevermann

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Mephistopheles (Hagen Erkrath) mit Faust (Norman D. Patzke) und Röschen (Judith Hoffmann). - © Foto: Hagen König
Mephistopheles (Hagen Erkrath) mit Faust (Norman D. Patzke) und Röschen (Judith Hoffmann). (© Foto: Hagen König)

Detmold. Mit höllischer Hilfe erreicht ein Mann den Gipfel seiner Karriere. Und fällt am Ende tiefer als je zuvor. Die Rede ist von Faust, vertont von Louis Spohr und am Freitagabend aufgeführt im Landestheater.

Die selten gespielte Oper des seinerzeit gefeierten Komponisten und Violinisten Louis Spohr hat immerhin den Beginn des romantischen Zeitalters im deutschen Operngeschehen markiert. Im Jahre 1816 wurde sie in Prag durch Carl Maria von Weber uraufgeführt. Als Basis des Geschehens dient das alte Volksbuch von Doktor Faustus. Doch in dem recht unbeholfen zusammen gestoppelten Libretto voller Ritter- und Schauerromantik steckt eine brisante Geschichte.

Sie hat Horst Otto Kupich in seine gegenwartsbezogene Inszenierung übertragen, die die Landesbühne Radebeul im Rahmen der Landesbühnentage am Samstag zeigte. Erfreulicherweise verzichtet Kupich dabei auf Holzhammer und erhobenen Zeigefinger.

Aus den Katakomben, wo Sex und Suff regieren, steigt ein Mann mit höllischer Hilfe zuerst in eine Stadt auf, in der die Natur bereits mit Maschinen und Bausünden wetteifert. Er landet schließlich in den glitzernden Chefetagen des Geldadels. Das sind eindringliche Bilder, geschaffen von Stefan Wiel und durch silbergrau gekleidete Hexen und graue Herren mit Aktenkoffern belebt (Kostüme: Ella Späte).

Die nächste Marionette der Macht steht schon bereit

Die Gier nach Macht und Geld macht Faust und seine stimmgewaltigen Zechkumpane mehrfach zu Mördern. Doch im Hintergrund lenkt Mephistopheles unbemerkt die Geschicke. Die beiden Protagonisten erhielten durch Norman D. Patzke und Hagen Erkrath stimmlich und darstellerisch starke Konturen. Ihnen zur Seite standen mit reichhaltiger Ausdrucksskala das liebende, einfache Mädchen (Judith Hoffmann) und die zum Statussymbol avancierte Geliebte (Anna Erxleben). Beeindruckend gelangen die Ensembleszenen des groß besetzten Chors.

Unter der musikalischen Leitung von Michele Carulli wurden die differenziert-farbige Klanglichkeit und die reiche, oft von Chromatik durchsetzte Harmonik von Spohrs Musik lebendig. Wiederholt werden die Personen durch eigene Tonfolgen charakterisiert - Vorgänger des späteren Leitmotivs von Richard Wagner.

Am Ende steht die klassische Höllenfahrt. Doch auf dem Chefsessel hat schon eine weitere Marionette der Macht Platz genommen, die sich bereitwillig von Mephistopheles, ihrer eigenen dunklen Seite, lenken lässt.

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