Detmolder Kammerorchester gibt erstklassiges Konzert mit Beethoven-Werken

Perl überzeugt an Pult und Piano

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Alfredo Perl (rechts) und Mitglieder des Detmolder Kammerorchesters im Konzerthaus der Hochschule. - © Foto: Kahle
Alfredo Perl (rechts) und Mitglieder des Detmolder Kammerorchesters im Konzerthaus der Hochschule. (© Foto: Kahle)

Detmold (ska). Drittes Abo-Konzert des Detmolder Kammerorchesters: Drei Werke von Ludwig van Beethoven standen am Donnerstag, 26. Januar, im Konzerthaus auf dem Programm des Abends.

Die drei Werke  schrieb Beethoven in den Jahren von etwa 1800 bis 1803 mit Anfang 30. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits ein berühmter Komponist und Interpret, doch war die Krankheit, die ihm das Gehör rauben sollte, schon voll ausgebrochen.

Alfredo Perl eröffnete das Konzert mit den 15 Variationen einer Fuge in Es-Dur op. 36, später die "Eroica-Variationen" genannt. Perl nahm am Bösendorfer-Flügel Platz, und nach einem Moment der Sammlung ertönte wie ein Fanal ein Es-Dur-Akkord im Fortissimo; dann folgten die Zuhörer dem Pianisten durch die 15 Variationen. Lyrische Passagen von intensiver Zartheit folgen auf virtuose Ausbrüche, Oktavdonner, die dramatische dreistimmige Fuge in der letzten Variation: Alfredo Perls Spiel war kraftvoll, klar und von großer Intensität, in den Piano-Melodiebögen in den hohen Lagen wie im mächtigen Forte.

Nach den Variationen wechselte Perl ans Dirigentenpult, denn es stand die 2. Sinfonie in D-Dur auf dem Konzertprogramm. Beethoven hatte die Sinfonie vor seinem Zusammenbruch im Jahre 1802 fertig gestellt, als er noch an eine Heilung glaubte, was ihren positiven Gesamtcharakter erklären kann. Feierlich erklang die langsame Einleitung zum ersten Satz, dann das schnelle "Allegro con brio": Das Kammerorchester spielte nuanciert mit einem transparenten Gesamtklang, und gestaltete die dynamischen Wechsel präzise und ausdrucksstark; ein besonderes Lob den Musikern an den Naturtrompeten, die ihre heikle Aufgabe mit Bravour meisterten.

Im zweiten Satz "Lahrghetto" wechselt die Stimmung, und Perl ließ das Orchester die Melodiebögen mit lyrischen Ton aussingen. Nach dem 3. Satz "Scherzo" folgte der letzte Satz "Allegro molto", in dem Perl ein sehr rasches Tempo wählte, und den Musikern furiose Virtuosität abverlangte. Das Orchester folgte seinem Dirigenten, ohne an Präzision zu verlieren, und gestaltete das beeindruckende Finale klar  und scharf umrissen.

Nach der Pause vereinten sich Pianist und Orchester zum 3. Klavierkonzert in c-Moll. Perl zeigte in den drei Sätzen eine enorme Breite künstlerischen Ausdrucks, und machte das Konzert zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Wiederum kraftvolle Virtuosität, in der Kadenz des ersten Satzes ein fast zorniges Forte, gefolgt von flirrend hellen Trillern in der hohen Lage. Im langsamen zweiten, in Es-Dur stehenden Satz spielte er die romantisch gehaltenen Melodiebögen mit zarter, fast schmerzlicher Empfindung, die Auszierungen mit leuchtender Klarheit. Zupackend und virtuos der dritte Satz, der mit einer Wendung ins helle C-Dur endete.

Das Publikum reagierte mit begeistertem Applaus und Bravorufen, es bedankte sich für einen Abend mit großartiger Musik, einem wunderbaren Orchester und einem großartigen Solisten.

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