Konzert im Dunkeln legt den Fokus auf das Hören

Musik ohne Ablenkung erleben

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Die Gäste werden mit einem Seil zum Platz gebracht. Damit sie sich nur aufs Hören konzentrieren, tragen sie Augenbinden.  - © Foto: Dick
Die Gäste werden mit einem Seil zum Platz gebracht. Damit sie sich nur aufs Hören konzentrieren, tragen sie Augenbinden.  (© Foto: Dick)

Detmold (cd). Nur ihre Ohren haben die Gäste beim "Concert in the Dark" in der Kulturfabrik Hangar 21 in Detmold gebraucht. Nach der Premiere im Jahr 2010 gab es jetzt eine Fortsetzung - mit anderer Besetzung, aber wieder im Dunkeln.

"Ist das Tempo okay?", fragt Corinna Rox vom KulturTeam der Stadt Detmold, als sie die Besucher an einem Seil zu ihren Plätzen führt. Etwa eine halbe Stunde dauert es, bis alle Gäste dort sind, wo sie sein sollen: in einem schwarzen Kubus mitten im großen Hangar.

Hier sind Sitzreihen vorbereitet, durch deren Gänge die Musiker im Laufe des Abends spazieren werden, um die Musik von allen Seiten erfahrbar zu machen. Denn darum geht es: Die Musik soll ohne Ablenkung erlebt werden, sagt Shawn Grocott, der den Abend moderiert. Also erhalten die Besucher Augenmasken. Die Musik erreicht nur die Ohren und soll von optischen Reizen nicht beeinflusst werden.

Eine Gruppe von Musikern spielt Stücke unterschiedlichster Art. Am Anfang hört man zarte Klavierklänge und den zerbrechlichen Ton einer Flöte. Den Kontrast dazu liefert dann die experimentelle Musik der Posaune. Sie faucht und braust, knirscht und prasselt, steigt eine imaginäre Leiter auf und ab, rutscht die Töne hoch und runter. Was für ein abstraktes Erlebnis. Auch die folgende Percussion-Szene wirkt wild und abenteuerlich.

Nach der Pause geht das Rätseln weiter: Woher kommen die Stimmen und Töne? Es muss mehrere Ebenen in diesem riesigen Raum geben, weil die Musik nun auch von oben erklingt. Manchmal schwingen die Töne weiter durch die Halle und tragen ihre Echos fort. Eine Stimme haucht jazzige Silben ins Mikrofon, eine Trompete mit Aufsatz tobt durch die Oktaven, flink huschen die Stäbe übers Vibraphon. Hier wünscht man sich zu sehen, um der Inszenierung zu folgen. Was das Konzert im Dunkeln jedoch schafft, ist, dass die Musik einem ganz nahe kommt. Und das ist es ja, worum es in einem Konzert eigentlich geht.

Wer dennoch eine Auflösung will: Hanna Schörken (Gesang), Dietlind-Maria Stropahl (Klavier), Irmgard-Maria Tutschek (Blockflöte), Yoaba Varbanova (Marimba, Vibraphon), Valentin Garvie (Trompete), Shawn Grocott (Posaune), Mike Turnbull (Rahmentrommeln) präsentierten in diesem Konzert Werke des Mittelalters, moderne Kompositionen von Luciano Berio und Folke Rabe, romantische Musik von Schubert und Stücke von Jazz-Komponisten wie Thelonious Monk und Tom Jobim, sowie Improvisationen und eigene Kompositionen.
Die Akustik des Hangar 21 haben die Akteure kreativ genutzt. Und den Zuhörern damit einen neuen Zugang zum Hören geboten.

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