Studenten legen Buch zu Detmolder Wagner-Festwochen in der NS-Zeit vor

Lippes Grüner Hügel

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Agnes Seipelt, Dr. Stefanie Rauch, Raphael Köhler, Prof. Dr. Rebecca Grotjahn, Andreas Fukerider, Cornelia Kohle, Kamil Glabica und Joachim Iffland (von links). - © Foto: Respondek
Agnes Seipelt, Dr. Stefanie Rauch, Raphael Köhler, Prof. Dr. Rebecca Grotjahn, Andreas Fukerider, Cornelia Kohle, Kamil Glabica und Joachim Iffland (von links). (© Foto: Respondek)

Detmold (res). Studierende der Hochschule für Musik haben in der Landesbibliothek ihren Sammelband "Lippes Grüner Hügel" präsentiert. In sechs Beiträgen beschäftigen sie sich mit den Richard-Wagner-Festwochen in Detmold, die in der bisherigen musikwissenschaftlichen Forschung kaum Beachtung gefunden haben.

"Richard-Wagner-Festwochen in Detmold? Das mag heute befremdlich klingen", stellen auch die Studenten fest. Tatsache ist, dass in den Jahren 1935 bis 1944 die Stadt ihren  knapp 25.000 Einwohnern ein "Event" von allerhöchstem Niveau geboten hat. Ein jährliches Großereignis für die Hauptstadt des Landes Lippe und der Traum von Ruhm und Glanz mit Blick auf die Bayreuther Festspiele.

Information
Vorbereitung auf das Berufsleben:
14 Studierende haben an dem Projekt des Musikwissenschaftlichen Seminars Detmold/Paderborn mitgewirkt. Ein Jahr lang haben sie die Landesbibliothek und das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen für ihre Recherche genutzt. Sie wälzten sich durch Akten, offizielle Schriften, Korrespondenzen und Programmhefte. Die Idee für das Projekt kam von Prof. Dr. Rebecca Grotjahn und Dr. Stefanie Rauch. Sie unterstützten die Studenten bei ihrer Arbeit, ließen sie jedoch bewusst selbstständig als Team arbeiten. Es gehe um die Vorbereitung auf das spätere Berufsleben, so Grotjahn. Von der Recherche und wissenschaftlichen Aufbereitung der Thematik bis hin zum Auftreiben von Fördermitteln, Verschriftlichung, Layout und Planung der Buchvorstellung handelten die Studenten eigenverantwortlich.(res)

Im Titel des Buches "Lippes Grüner Hügel" wird bewusst die Assoziation zu Bayreuth gezogen. Detmold entwickelte in der NS-Zeit hohe Ambitionen, es den Oberfranken gleichzutun und zu einem "Vorort Bayreuths" zu werden.

Dass Richard Wagner von den Nationalsozialisten für ihre Propaganda instrumentalisiert wurde, ist bekannt. Wichtig sei es "nicht zu kriminalisieren, sondern aufzuklären", so Rüdiger Pohl, Vorsitzender der Deutschen Richard-Wagner-Gesellschaft Berlin. Die Nachkriegsgeneration habe das Thema eher tabuisiert, statt einer wissenschaftlichen Beschäftigung damit nachzugehen. Dieser Teil in Detmolds Geschichte ist bisher lediglich in wenigen einzelnen Aufsätzen behandelt worden. Mit diesem Sammelband sollen erweiterte Erkenntnisse und die Begebenheiten in das "öffentliche Bewusstsein gerückt" werden.

Die Ergebnisse der Arbeit sind exemplarisch. Als "reichswichtig" deklariert, lassen sich an den Richard-Wagner-Festwochen in Detmold die Mechanismen nationalsozialistischer Kulturpolitik und ihrer Auswirkungen bis in die Provinz bestens nachvollziehen. In ihren Beiträgen zeichnen die Autoren des Sammelbandes die Entwicklung der ideologischen Ausrichtung der Festwochen nach. Sie treffen insbesondere auf einen Lokalakteur: Otto Daube spielte als Musiklehrer und Richard-Wagner-Anhänger eine wesentliche Rolle zur Initiation und Durchführung der Veranstaltungsreihe.
 
Außergewöhnlich und eine Besonderheit für das Buch ist das Auffinden eines Zeitzeugen. Der 1920 in Detmold geborene Günther Guericke erlebte die Festspiele als Schüler und berichtet in einem Interview von seinen persönlichen Eindrücken. Die Perspektive eines Zeitzeugen ermöglicht einen "lebendigen" Zugang zum Geschehen.

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