Detmolder stehen zu "ihrer" Philharmonie

Unsichere Zukunft des Orchesters ruft Konzertpublikum auf den Plan

Von Barbara Luetgebrune

Zukunft der Philharmonie

bleibt ungewiss



- © Detmold
Zukunft der Philharmonie
bleibt ungewiss


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Detmold. In der Regel steht das Publikum erst beim Schlussapplaus auf, wenn ihm das Konzert gefallen hat. Beim NWD-Auftritt am Dienstag erhoben sich die Zuschauer bereits, ehe der erste Ton gespielt war. Aus Solidarität.

Solidarität mit der Nordwestdeutschen Philharmonie, die um ihre Existenz bangt, nachdem sich einige Kommunen, darunter Bad Salzuflen, aus der Trägerschaft zurückgezogen haben. Derzeit wird nach einer Lösung gesucht, die finanzielle Last auf mehr Schultern zu verteilen, die Landkreise sollen stärker eingebunden werden, eine GmbH-Gründung ist angedacht.

Aber noch ist keine Lösung gefunden, und diese ungeklärte Situation hat jetzt das Konzertpublikum auf den Plan gerufen. Eine Initiative hat die Aktion "Wir stehen zu unserer NWD" aus der Taufe gehoben. Am Freitag in Herford, am Samstag in Bad Salzuflen, am Dienstag in Detmold – überall das gleiche Bild: Engagierte Musikfreunde verteilen vor Konzertbeginn Anstecknadeln und Flugblätter und bitten die Besucher, beim Auftritt des Orchesters aufzustehen. "Wir bekunden unsere Solidarität und Verbundenheit mit dem Orchester. Wir fordern unsere Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung in der gesamten Region auf, dem Orchester eine stabile und dauerhafte finanzielle Grundlage zu geben", heißt es in dem Flugblatt.

Was die Schilder versprechen, haben die Zuschauer im dicht besetzten Konzerthaus kurz darauf tatsächlich wahr gemacht. - © Foto: Luetgebrune
Was die Schilder versprechen, haben die Zuschauer im dicht besetzten Konzerthaus kurz darauf tatsächlich wahr gemacht. (© Foto: Luetgebrune)

Die Menschen reagierten mit viel Verständnis, berichten Sabine Feldwieser und Karl-Wilhelm Walter, die direkt im Eingangsbereich des Detmolder Konzerthauses Position bezogen haben und ihre Flugblätter unters Publikum bringen. Das läuft wie geschmiert – schon bald brauchen sie Nachschub. "Der Wille, das Orchester und die Aktion zu unterstützen, ist da", sagt Walter.

Das bestätigt auch Zuhörer Gerhard Benner, der die NWD-Konzerte seit vielen Jahren besucht. "Das Orchester ist eine echte Bereicherung für die Region, es bietet wunderbare Musik in hoher Qualität." Ja, er sei bereit, auch mehr für eine Eintrittskarte zu bezahlen, falls nötig, sagt Benner – und bekräftigt damit eine weitere Position der Publikumsinitiative. "Wir demonstrieren mit der Aktion auch unsere Bereitschaft zu einem Beitrag in Form höherer Eintrittspreise, wenn das dem Erhalt des Orchesters dient", schreiben die Konzertbesucher im Flugblatt. Allerdings weisen sie auch darauf hin, dass es Aufgabe der Kreise und Kommunen in OWL sei, das Orchester mit seinem Kultur- und Bildungsauftrag zu erhalten.

Die Politiker steckten mitten in den Verhandlungen, berichtet Landrat Friedel Heuwinkel später auf Anfrage. Die Gründung einer GmbH sei der Plan. "Wir sind uns in einigen Punkten noch nicht ganz schlüssig, aber unser Ziel ist es, die Sache 2012 auf den Weg zu bringen."

In Detmold tritt am Konzertabend Hans-Hermann Jansen vors Publikum. Er spreche für die Detmolder Bürger und in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Philharmonischen Gesellschaft OWL. Für das Orchester sei es fünf vor zwölf, sagt Jansen. Die Existenz des Orchesters sei ernstlich in Gefahr, und das dürfe nicht sein. "Die NWD ist das kulturelle Aushängeschild der Region – seit 60 Jahren. Die Musiker spielen 120 Konzerte im Jahr; in der Region, in Deutschland, in Europa und der ganzen Welt." Und er wendet sich direkt an die Zuhörer in den dicht besetzten Reihen: "Stehen Sie ein für Ihr Orchester, stehen Sie auf, stellen Sie sich vor und hinter die NWD." Das Detmolder Publikum lässt sich nicht lange bitten. Als die Musiker das Podium betreten, erheben sich die Zuhörer von ihren Plätzen und applaudieren.

Ein tolles Gefühl, sagt Bratscher Friedrich Luchterhand hinterher: "Da spüren wir, dass wir Bestandteil des kulturellen Lebens der Menschen in den Städten sind, dass es für sie wichtig ist, was wir tun. Und das ist schon sehr schön, gerade in der aktuellen Situation."

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