Auftakt der Sommerbühne

Bass, Gitarre und Trommeln geben den Ton an

Von Andreas Beckschäfer

Immer in Bewegung: "Dub Spencer & Trance Hill"-Gitarrist Markus Meier wirbelt über die Bühne, im Hintergrund Schlagzeuger Julian Dillier und Bassist Masi Stalder. - © Foto: Beckschäfer
Immer in Bewegung: "Dub Spencer & Trance Hill"-Gitarrist Markus Meier wirbelt über die Bühne, im Hintergrund Schlagzeuger Julian Dillier und Bassist Masi Stalder. (© Foto: Beckschäfer)

Detmold. Flirren, Rauschen, Donnern: Den Auftakt der Sommerbühne haben am Freitag elektronische Klänge geprägt, am Samstag stellten "Gocoo" aus Japan ihre Interpretation asiatischer Trommelkunst vor.

Wie eine Bildstörung wirkt das verpixelte Farbenspiel, das auf die Leinwand der Bühne am Detmolder Marktplatz projiziert wird. Irritierend, wie die Musik, die "Dub-O-Mat" vor diesem Hintergrund - ausgestattet mit drei Laptops und zwei Flaschen Wein - produzieren.
Die klingt nach Hip-Hop, nach Reggae, nicht selten auch undefinierbar.

Künstliche Töne, die aus den Boxen kommen, ohne zu etwas zusammenzufinden, was annähernd als Komposition durchginge. Und doch taugt dieser Klangteppich, den die Gruppe aus Detmold schafft, tatsächlich auch, um eine klassische Soul-Ballade zu untermalen, die Sängerin Carmen Braun mit fantastischer Stimme vorträgt.

Die unendlichen Weiten, die Lipper üblicherweise aus (Ehr-)Furcht zwischen sich und der Bühne lassen, weiß die Frontfrau zu nutzen, indem sie bei der Zugabe sämtliche Kinder einsammelt und mit ihnen dort einen Formationstanz improvisiert. Und so wissen die beteiligten Kinder mehr als ihre Eltern: Etwa, dass es sich zu Dub und Trance wirklich ausgezeichnet tanzen lässt.

Dies gilt für den folgenden Beitrag von "Dub Spencer und Trance Hill" aus Zürich auch ohne Tanzkursus: Da wird die Musik nicht nur abstrakt programmiert, sondern live gespielt, fußt meist auf eingängigen Reggae-Rhythmen und zwingt den Zuhörern förmlich auf, sich im Takt zu bewegen. Und die Gruppe mit dem wunderbaren Namen versteht es prächtig, die Detmolder "mitzunehmen": Am Ende auch jene, die noch nach dem vierten Song darauf gewartet haben, dass es endlich wirklich "losgeht", weil das bei Kompositionen übliche Strophe-Bridge-Refrain-Schema fehlt.

Die Möglichkeit, fremdartigen Instrumentalwelten zu begegnen, haben am Samstag noch einmal deutlich mehr Menschen genutzt: Die optisch beeindruckende Trommelkunst der Gruppe "Gocoo" aus Tokio interessiert wahre Massen. Elf Menschen schlagen auf gut 40 "Taiko-Trommeln" ein: Kraftvoll zwar, doch nur scheinbar ist es die reine Wucht, auf die das Kollektiv baut. Wer genauer hinhört, entdeckt unter dem eintönigen Gewitter aus Trommelschlägen filigrane Rhythmen, in denen sich Anteile aus Weltmusik, Dance und Trance vereinen zu einem Sound mit fast hypnotischer Wirkung.

Die Gruppe wird für ihre spektakuläre Performance gefeiert, was auch Reinhold Seeg vom Kulturteam der Stadt freut: "Die Detmolder wollen diese Veranstaltung", stellt er mit Blick auf die gestiegenen Zuschauerzahlen fest.

Ob die Verantwortlichen der Stadt die Sommerbühne auch noch wollen, scheint indes nicht so sicher: Immerhin um ein Viertel ist das Budget für die Kulturveranstaltung im Vergleich zum Vorjahr gekürzt worden.

Die Sommerbühne wird am  Freitag, 10. August, ab 20.30 Uhr fortgesetzt - unter anderem mit einem Auftritt der deutschen Soul-Sängerin Y‘Akoto.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2014
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.