13-jährige Violinistin spielt wie eine Große

Ein neuer Stern am Violinen-Himmel

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Die dreizehnjährige Violinistin stellte sich am Sonntag als neues Wunderkind vor. - © Foto: Schwabe
Die dreizehnjährige Violinistin stellte sich am Sonntag als neues Wunderkind vor. (© Foto: Schwabe)

Detmold (ans). Von Wunderkindern zu sprechen, geht einem heutzutage etwas schwer über die Lippen. Dennoch hat sich dieser Begriff am Sonntagvormittag geradezu aufgedrängt, als Simon Staub Chopins Polonaise Nr. 14 und Lara Boschkor den ersten Satz aus Tschaikowskis Violinkonzert D-Dur im Konzerthaus spielten. Beide sind erst 13 Jahre alt.

Ist die "Jungstudentin" Lara Boschkor die neue Christina Brabez? Jene 17-Jährige, die vor kurzem erst in Detmold Mendelssohns Violinkonzert spielte und inzwischen von Wettbewerb zu Wettbewerb und dann wohl weltweit von Podium zu Podium eilt, um mit dem Spiel ihrer Geige zu verzaubern?

Lara Boschkor verzauberte ihre Zuhörer ebenfalls, dabei passten ihre dünnen Beinchen, denen man kaum die Kraft zutraute, den kleinen schmalen Körper zu tragen, irgendwie nicht zu den intensiven, klaren und schwungvollen, ja, virtuosen Arm- und Fingerbewegungen, mit denen sie über alle Hürden, die Tschaikowski seiner Interpretin in ihr Instrument geschrieben hat, nicht nur souverän hinweg glitt, sondern sie - was eigentlich noch unbegreiflicher war - als sinnfällige Ereignisse in ein "verstehendes" Spiel einbettete. Natürlich wurde sie frenetisch gefeiert, und es sei ihr von hier aus jeder Erfolg gewünscht, den sie sich erträumt. Vor allem aber der, dass ihr die Freude an der Musik erhalten bleibt, so dass ihr Können ihr hilft, glücklich zu sein, um weiterhin Glücksmomente verschenken zu können.

Auch Simon Staubs Finger fließen fulminant über den Spieltisch des Konzertflügels. Feinfühlig phrasiert er Chopin aus und bezeugt ein schon bestens ausgebildetes Gespür für dynamische Zwischentöne und darauf aufbauende Klangfarben. Und doch ist es ein wenig erleichternd zu hören, dass er den geistigen Gehalt dieser Komposition, die in das Werk eingeschmolzen Gefühle des Komponisten noch nicht ganz nachfühlen kann. Hier scheint Staub zum Glück noch Kind sein zu dürfen.

Die überwältigenden Erlebnisse mit diesen beiden Ausnahmekindern verschoben ein wenig den Blick für das, was für diesen Vormittag eigentlich angedacht war. Die jungen Organisten Marcel Eliasch und Cedric Trappmann sollten Gelegenheit bekommen, sich einmal vor Publikum richtig ausspielen zu können. Sie feierten ebenso wie die hier jetzt nicht genannten anderen Teilnehmer des recht vollen Konzertes schöne Erfolge mit ihrem schon weit fortgeschrittenen Spiel.

Dass Ensemble des Detmolder Jungstudenten-Institutes brachte mit seinen herrlich witzigen Improvisationen zu ebensolchen Stummfilmen zum Glück noch mal in Erinnerung, dass man mit Musik auch sehr viel Spaß haben kann.

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