"Sprungbrett"-Matinee: Jungstudierende der Detmolder Hochschule bieten überzeugende Leistungen

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Die l9-jährige Jungstudentin Svenja Braune. - © Foto: Franz-Nevermann
Die l9-jährige Jungstudentin Svenja Braune. (© Foto: Franz-Nevermann)

Detmold (Nv). Acht Mitglieder des Detmolder Jungstudierenden-Instituts (DJI), 13 bis 19 Jahre alt, haben am Sonntagvormittag dem zahlreich erschienenen Publikum im Brahms-Saal überaus hörenswerte Leistungen beschert. DJI-Leiter Prof. Piotr Oczkowski nahm in seiner kurzen Begrüßung den traditionellen Begriff der "Musensöhne" auf.  Immerhin waren diesmal auch drei "Musentöchter" dabei.

Und alle bewiesen, dass sie ihr Metier auch auf dem hier angesagten hohen Niveau überdurchschnittlich gut beherrschen. Klar akzentuiert und ausdrucksvoll in kraftvollen wie sanften Passagen begann der Bariton Lars Conrad (17), begleitet von Hana Lim am Flügel, mit einer freimaurerisch geprägten Kantate von Wolfgang Amadeus Mozart. Ihm folgten Johannes Opp (17) und Svenja Braune (19) mit einer Romanze für Posaune und Klavier, komponiert von Axel Jörgensen. Sie bewiesen damit, dass Empfindsamkeit auch von dieser nicht alltäglichen Kombination vermittelt werden kann.

Doch Svenja Braune beherrscht auch das Akkordeon, wie ihr Auftritt mit einer Serenade von Wolfgang Jacobi zeigte. Hier werden traditionelle Elemente neu zusammen gesetzt. Der 13-jährige Simon Staub bot mit seiner Wiedergabe der "Bukoliki" von Witold Lutoslawski eine detailverliebte, ausbalancierte Piano-Interpretation jenseits aller Tonalität.

Bei einigen der Studierenden gerät man in Versuchung, sie nicht mehr als "Meister von morgen", sondern als junge Meister der Gegenwart zu titulieren. Dazu gehören in jedem Falle die beiden Pianisten Ken Mordau (l8) und Josef Frei (17). Hier geht es um Musik, die so verinnerlicht werden muss, dass sich ihr Gefühlsgehalt auf das Publikum überträgt.

Ken Mordau vermittelte mit Beethovens Sonate "Les Adieux" innige Wehmut, Aufgewühltheit und unbändigen, überschwänglichen Jubel. Josef Frei spielte einen "leichten" Mozart ebenso souverän wie eine der Etüden von Frédéric Chopin, die nicht mehr als Übung gedacht sind, sondern hohe ästhetische Qualität aufweisen.

Die Überraschung der Matinee war der Auftritt der 13-jährigen Laura Boshkor - kein "Wunderkind", sondern eine überaus ernsthafte, hoch konzentriert agierende Violinistin. Sie brillierte mit einer Bach-Chaconne von mathematisch anmutender Präzision ebenso wie mit einer Schöpfung von Niccolò Paganini, der noch heute als Inbegriff des Virtuosen gilt.

Hier vereint sich die Intensität des Ausdrucks mit einer damals jeder Konvention widersprechender Technik.

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