Wie Karoline Stegemanns Bühnentraum beinah platzte

Aus der Sängerin wird eine Schauspielerin

Barbara Luetgebrune

Schauspielerin Karoline Stegemann. Die Produktion hat am 27. September Premiere im Landestheater. - © Foto: privat
Schauspielerin Karoline Stegemann. Die Produktion hat am 27. September Premiere im Landestheater. (© Foto: privat)

Detmold. Für Karoline Stegemann ist die Schauspielerei ursprünglich
nur die zweite berufliche Wahl gewesen. Heute ist sie froh, dass sie überhaupt auf der Bühne stehen kann. Ab September tut sie das am Landestheater.

Karoline Stegemann ist gar kein ganz unbekanntes Gesicht mehr im Detmolder Schauspielensemble. Sie hat in der vergangenen Spielzeit schon im „Münchhausen" gespielt, im „Jedermann" und in der Hoftheater-Produktion „Bezahlt wird nicht!". Was dazu führte, dass sie ihr Diplom an der Hochschule für Musik und Theater in Frankfurt am Main Anfang Juli ganz allein nachgemacht hat – während des allgemeinen Prüfungstermins stand sie schon in Detmold auf der Bühne.

„An ungefähr 100 Häusern habe ich mich beworben – in Detmold hat es direkt geklappt", freut sich die Schauspielerin. Sie stammt aus Halle an der Saale und studiert nach dem Abi zunächst Theaterwissenschaften an der Universität Leipzig. Parallel dazu sammelt sie erste Theatererfahrungen an der Oper und im Theater Halle, ehe sie ihr Schauspielstudium in Frankfurt aufnimmt und währenddessen schon in Inszenierungen an den Schauspielhäusern in Frankfurt, Darmstadt und Mainz zu sehen ist. Auf der Bühne zu stehen, davon träumt Karoline Stegemann schon während ihrer Schulzeit.

Allerdings sieht sie sich dort als Sängerin. „Das Singen war ganz lange mein Lebensmittelpunkt", erzählt die 24-Jährige. „Ich war in einem
Wettbewerbschor, mit dem wir ganz viel gereist und aufgetreten sind. Ich hatte Unterricht in Stimmbildung und wollte unbedingt Gesang studieren." Sie nimmt zusätzlich Klavierunterricht und geht mit 13 Jahren ans Konservatorium. Alle Zeichen deuten auf eine Profi-Laufbahn als Sängerin.

Dann passiert es: Die junge Frau zieht sich eine schlimme Stimmbandentzündung zu. Und sie kuriert sie nicht komplett aus, sondern fängt zu früh wieder an zu singen. Es folgt eine lange Phase, in der sie die Stimmbänder und das Sprechen mit Hilfe einer Logopädin
wieder neu trainieren muss. Und die niederschmetternde Prognose, dass sie niemals professionell wird singen können, noch nicht einmal einen Sprechberuf ergreifen. „So viel Arbeit hatte ich da hineingesteckt
– und dann platzt so ein Traum einfach so. Nur weil man sich einmal nicht zurückhalten kann", erinnert sich Karoline Stegemann. Sie gibt allerdings
nicht auf, arbeitet weiter an ihrer Stimme.

Dass sich die Schauspielerei schließlich doch noch realisieren lässt, empfindet sie als großes Glück. Sie mag Peter Handke als Theaterautor. „Seine Stücke haben eine ganz, ganz tolle, extreme Sprache. Auf der Bühne ist das schwierig umzusetzen, aber das ist genau der Reiz. In
jedem seiner Worte steckt eine krasse Doppeldeutigkeit", sagt Karoline Stegemann.

Ihre Rollen lernt sie zumeist im Gehen – „im Sitzen kann ich mich nicht so gut konzentrieren". Das gilt für jene der Hermia in Shakespeares „Sommernachtstraum", ihrer ersten Detmolder Rolle in der neuen
Spielzeit, genauso wie die der Irina in Anton Tschechows
„Drei Schwestern". Das, so erzählt die Schauspielerin, sei ihre bislang persönlichste Rolle gewesen. „Das Stück ist geprägt von einer unbestimmbaren, stets präsenten Sehnsucht, in der man schwelgen kann, ohne dass es kitschig wird", erzählt Karoline Stegemann. „Dieses Motiv der Sehnsucht, das hat viel mit mir zu tun."

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