Von Andreas Beckschäfer
Er gilt als einer der letzten Poeten der deutschen Popmusik: Bernd Begemann. Jetzt hat der Sänger ein Konzert im "Lokation", dem Bad Salzufler Banhof, gegeben.
Bad-Salzuflen. "Ein Feuerwerk aus Alltagspoesie, Stand-Up-Comedy sowie rockig bis jazzig-zart gespielten Liedern", hatten die Veranstalter im Vorfeld versprochen. Das Licht anfangs viel zu hell, die Stimme häufig zu leise und die Gitarre meist zu laut: Nichts passte - an diesem wunderschönen Abend mit Bernd Begemann im "Lokation". Spätestens nachdem der Protagonist des Abends sich divengleich ("Ich gelte als die Mariah Carey des Indie-Rock") zum dritten Mal über die Beleuchtung beschwert hatte, die ihm zu bunt, zu viel und zu hell war, wurde die Atmosphäre im Bahnhof Bad Salzuflen heimelig.
Denn ab diesem Zeitpunkt waren so ziemlich alle Lichter im Raum gelöscht, außer jenen zwei Spots, die direkt auf den Mann gerichtet waren, der dort im modisch fragwürdigen braunen Anzug allein auf der Bühne stand und sich hemmungslos selbst feierte.
"Verwässerte Versionen von Liedern, die auf CD viel besser klängen", hatte der gebürtige Bad Salzufler bei seinem Heimspiel versprochen. Ein zweifelhaftes Versprechen, denn Begemann ist einer jener selten gewordenen Künstler, bei denen Mensch und Musik untrennbar miteinander verbunden scheinen. Die Ironie seiner Texte lässt sich aus seinem Gesicht ablesen, in dem die Mimik Pogo tanzt, während der Körper in vollkommener Unbeholfenheit Bewegungen vollführt, die selten mit dem Rhythmus der Musik im Einklang stehen.
Der Wahl-Hamburger ("In Städten mit Häfen haben die Menschen noch Hoffnung") vernachlässigt das Gitarrenspiel an jenen Stellen, wo ihm eine prätentiöse Geste gerade bedeutender erscheint, als das Erzeugen textbegleitender Klänge. Überhaupt wirkt das Treiben des Mitbegründers der Musikbewegung "Hamburger Schule" rein impulsgesteuert: Wenn ihm etwas Erzählenswertes einfällt, dann erzählt er halt. Nostalgisch gefärbt, schwärmt er von seinen Anfängen als Musiker in der Kurstadt, als Teil der Punkgruppe "Vatikan". Oder veralbert die anwesenden Raucher, deren Leben viel intensiver und wilder - weil eben auch deutlich kürzer - sei.
In all seinen Ausführungen ist Begemann so liebenswert, unbemüht witzig und selbstironisch, dass die Zuhörer im "Lokation" ihm zunehmend verfallen. Und zwischen all dem Quatsch glänzen die - im Wortsinn - merkwürdigen poeti-schen Zeilen seiner Texte (wie: "Bitte bleib bei mir, denn das Beste an mir sind wir") noch strahlender, als sie dies ohnehin tun würden, ständen sie nicht im Kontext mit diesem vermeintlich selbstverliebten, überheblichen Ego, das Bernd Begemann geschaffen hat.
Der Mensch hinter dieser Kunstfigur offenbart sich erst beim letzten Lied des Abends: Da legt er allen verfügbaren Schmalz in seine Stimme und klingt, wie einst der junge Schlagerbarde Udo Jürgens. Nur halt "in Gut". "Gelte als die Carey des Indie-Rock"
Bernd Begemann






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