Detmold (abe). Teerschwarze Lunge, pechschwarzer Kaffee, rabenschwarzer Humor: Farbenprächtig ist das Leben des Micha El Goehre eher nicht. Im Kaiserkeller hat der Autor aus seinem Roman "Jungsmusik" gelesen.
Geschichten mitten aus dem Leben eines Black-Metal-Fans und dessen Clique erzählt dieses Buch. Und Ähnlichkeiten zwischen der Hauptfigur namens Torben und ihrem Erschaffer sind ausdrücklich nicht zufällig.
Torben darf man sich nämlich in etwa so vorstellen wie den Menschen, der da auf der Bühne liest und folgende Selbstbeschreibung formuliert: "Langhaariger Untermensch, weder schick noch schöngeistig."
Es ist nicht notwendig, Kenner dieser düsteren Musik, der entsprechenden Szene und ihrer Rituale zu sein, um die Erlebnisse Torbens zu verstehen und lustig zu finden. Denn eigentlich handelt der Roman vor allem vom Erwachsenwerden. Also von einem Drama, das keinem der Besucher im ausverkauften "Keller" fremd sein dürfte. Torben ist bereits Mitte/Ende zwanzig, als der Ernst des Lebens in seiner gefährlichsten Form auch an seine Tür klopft: verkleidet als "Liebe". Wenngleich das Wort Liebe einem echten "Metaller" nicht über die schwarzgetünchten Lippen kommen würde, weshalb hier von "Anti-Hass" die Rede ist.
Der unbeholfene Umgang des Protagonisten mit dem anderen Geschlecht und dem Leben an sich: Das ist der Stoff, aus dem viele vergnügliche Schilderungen entstehen, die - und das ist angesichts der hier genüsslich breitgetretenen Klischees bemerkenswert - durchaus Tiefgang haben. Denn Micha El-Goehre ist ob seiner Fähigkeit zur Selbstironie ein authentisches Sprachrohr für eine verrufenen Szene: Ihm gelingt es, das Genre der harten "Jungsmusik", deren Fans und ihre Attitüde sympathisch darzustellen. Wenn er sich in seiner viel zu schnellen Lesart folgerichtig verhaspelt, wird aus "Rinderblut" dann schon mal "Kinderblut". Ein Freudscher Versprecher, der alle Vorurteile bestätigen würde. Allerdings nur, wenn dieser böse Mensch, dem er unterlaufen ist, nicht gleichzeitig irgendwie unheimlich "niedlich" wäre.
Letztlich zeigt El-Goehre mittels seiner sprachlich griffig geschriebenen Geschichten klug auf, dass extrovertierte Härte nichts anderes als ein Ausdruck von Unsicherheit ist. Und harte, infernalische Musik ist demnach nicht mehr und nicht weniger als ein emotionaler Schnuller in schlechten Zeiten. Ein Prinzip, dass für so ziemlich jeden Fanatismus gilt, der das Erwachsenwerden erleichtert. Und in diesem speziellen Fall ist dieser Schnuller eben: schwarz.
stehenden Code hier ein*: