4. Sinfoniekonzert der NWD stellt zwei Orchesterwerke einander gegenüber
Detmold. Ein Sinfoniekonzert ohne den klassischen Solisten-Auftritt im Mittelteil, dafür aber mit einer imponierenden Konfrontation von zwei Kompositionen russischer Meister: Das war Dienstag, 24. Januar, im Konzerthaus zu erleben.
Die Nordwestdeutsche Philharmonie (NWD) trat an diesem Abend unter Paul Mann an. Der derzeit freischaffende britische Dirigent verfügt über Erfahrung mit renommierten Orchestern auf vielen Kontinenten. Und es mangelt ihm wahrhaftig nicht an überbordendem Temperament, wie gleich zu Beginn des Konzerts klar wurde.
Auf dem Programm stand die erste Sinfonie von Peter Iljitsch Tschaikowskij, der Udo Stephan Köhne im Begleitheft "beinahe demonstrativ wenig Aufmerksamkeit" im heutigen Konzertleben bescheinigt. Obwohl manches im Werk des Mittzwanzigers noch unfertig wirkt und einige Überleitungen ein wenig unbeholfen geraten, scheint gelegentlich bereits der spätere, unverwechselbare Stil auf.
Tschaikowskij jedenfalls hat nach eigenem Bekenntnis diese Sinfonie als "Sünde meiner süßen Jugendzeit" ein Leben lang geliebt.
Die "Träumereien einer Winterreise" des ersten Satzes, als "tranquillo", also ruhig bezeichnet verwandeln sich unter der Stabführung von Paul Mann zu einer Fahrt über Stock und Stein, untermalt von schroffen Akzenten und heftigen Turbulenzen. Doch bereits im Adagio des zweiten Satzes leuchtet die oft zitierte "russische Seele" im Miteinander von Streichern, Oboe und Celli auf. Hier ertönen jene schwelgerisch-wehmütigen Klänge, die später das Werk des reifen Komponisten unverkennbar prägen. Das gilt auch für die schmachtende Stimmung eines Walzers, der die großen Ballettmusiken voraus nimmt.
Als Auftragswerk für ein Ballett entstand im Jahr 1911 auch die Burleske "Petruschka", die Igor Strawinsky 1947 zu der hier aufgeführten Orchestersuite umarbeitete. Dynamik und rhythmische Energie fordern auch heute noch Interpreten und Hörer gleichermaßen heraus. Rund um den tragischen Marionetten-Helden russischer Jahrmärkte spielt sich ein turbulentes Chaos mit lautmalerischen, grotesken Personen-Schilderungen ab. Die von Paul Mann mit bestechender Präzision heraus gearbeiteten Details erlauben den Musikern solistische Auftritte, die exzellente Qualität hörbar machen.
Perlende Tastenläufe - ein Flügel ergänzt das Orchester -, bedrohliche Fanfarenklänge, Pauken- und Trommelwirbel sowie bäuerlich-bärige Drastik erscheinen oft in grotesker Kombination der Instrumente. Russische Folklore steht neben Walzerthemen von Joseph Lanner, bis der Held über einem Streicher-Tremolo sein irdisches Dasein leise beendet. Doch der dann einsetzende Beifall war keineswegs zu überhören.
Das gleiche Programm ist am Samstag, 28. Januar, ab 19.30 Uhr in der Konzerthalle in Bad Salzuflen zu erleben.
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