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04.02.2012
DETMOLD
"Was geblieben ist, sind Ruinen!"
Vor 100 Jahren brannte das Fürstliche Hoftheater in Detmold bis auf die Grundmauern nieder
VON BARBARA LUETGEBRUNE

Der "Bettler von Syrakus" hat kaum begonnen, da bittet der Sekretär die Besucher, das Haus zu verlassen. Schon erklingen "Feuer"-Rufe. 90 Minuten später ist das Hoftheater zerstört. Es ist der 5. Februar 1912.

Detmold. Zum 100. Mal jährt sich am Sonntag der Tag, an dem das Fürstliche Hoftheater durch einen Brand komplett zerstört wurde. Menschen wurden nicht verletzt. Wie hat sich das Unglück zugetragen? Die damaligen Ausgaben der Lippischen Landes-Zeitung geben Aufschluss.

Info
Eine ganze Reihe Fotos aus der Brandnacht finden sich im Detmolder Stadtarchiv. Mit Informationen zum Hergang sieht es dagegen eher dürftig aus: In einer städtischen Akte, in der seinerzeit alle Brände aufgelistet wurden - "die hatten schließlich auch rechtliche Folgen", sagt Stadtarchivar Dr. Andreas Ruppert - taucht der Theaterbrand nicht auf. Merkwürdig, findet Ruppert - "schließlich war das ja kein ganz unbedeutendes Ereignis für die Stadt." Die alten Akten der Lippischen Landes-Brandversicherung sind unergiebig, die Berufsfeuerwehr, die später Meldebücher führen musste, gab es 1912 noch nicht, und die Findbücher zum Fürstlichen Archiv verweisen nur auf die damaligen Presseberichte. Der Bau des neuen Theaters hingegen ist mit einer eigenen Akte gut belegt. Fünf Jahre dauerte es, ehe am 29. September 1919 das Theater mit Albert Lortzings "Undine" wieder eingeweiht wurde - nun allerdings nicht mehr als Hof-, sondern als Landestheater, da der Fürst nach der Novemberrevolution 1918 entmachtet worden war und sich das Theater nun im Besitz des Freistaates Lippe befand.(blu)

Die Besucher hätten schon beim Betreten des Theaters einen starken Brandgeruch bemerkt, der immer intensiver geworden sei, heißt es am 6. Februar. "Um 8 Uhr war das Auditorium noch im Theater und um 1/2 9 Uhr schlugen die Flammen schon durch den Dachstuhl! Die Fürstenloge fiel ihnen als erste unter den Apartements zum Opfer. Alles andere folgte blitzschnell, und um 1/2 10 Uhr war schon der ganze stimmungsvolle Innenraum ein einziges Feuermeer." Schließlich der Ausruf: "Was geblieben ist, sind Ruinen!"

Der Städtische Brandmeister Hemrich aus Bielefeld, aus dessen Bericht die Landes-Zeitung am 10. Februar zitiert, nennt die Ursache. Die Heizung des Theaters, das Platz für 900 Zuschauer bot, erfolgte durch eiserne Öfen. "In den letzten Tagen wurden infolge der Kälte einige Klagen über nicht ausreichende Erwärmung des Zuschauerhauses laut; diese Klagen sollten durch eine stärkere Feuerung der Öfen beseitigt werden", heißt es. So sei eine "allmähliche Röstung des Holzes" möglich gewesen, "wodurch schließlich die hölzernen Abluftkanäle ins Glimmen gerieten".

Doch zurück zum Brand selbst: Nachdem das Publikum den Saal "in musterhafter Ordnung" verlassen hat, beginnen die Bemühungen, der Flammen Herr zu werden. "Die Versuche einer Löschung mit ,Minimax-Feuerlöschern' war völlig erfolglos", schreibt die Landes-Zeitung. Schlossfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehr und das Detmolder Infanterie-Bataillon verhindern gemeinsam das Übergreifen der Flammen auf Nachbargebäude - das Theater können sie nicht retten.

Ein Augenzeuge, der im Bericht zitiert wird, beschreibt das Szenario so: "Es kracht das Frontispice auf die Straße, den Leitungsdraht der Straßenbahn mit herunterreißend, es löst sich das Hauptgesims, Telephonmast und Schornstein stürzen in den Glutherd, der einer brodelnden Hölle gleicht, die Fenster bersten, Türen springen auf, Einsturz auf Einsturz erfolgt im Innern und der Ostwind vermählt sich mit der Flamme. Beide feiern ihre Hochzeit in verwüstender, schrankenloser Orgie. (...) Das Hoftheater ist nicht mehr."

Der Spielbetrieb aber geht weiter. Bereits am 11. Februar berichtet die Landes-Zeitung: "Gar bald schon, Morgen, Montag, öffnet das ,Fürstliche Interims-Theater' im ,Neuen Krug' wieder seine Pforten. Mit weiser Auswahl ist Gerhart Hauptmanns ,Die versunkene Glocke' als Eröffnungsvorstellung gewählt. Die versunkene Glocke, sie klingt wieder!"

Dokumenten Information
Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2014
Dokument erstellt am 04.02.2012 um 00:09:28 Uhr
Letzte Änderung am 04.02.2012 um 14:49:41 Uhr


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