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08.02.2012
LEMGO
Richard Endlich ist tot - es lebe der König
Lemgoer Theatergruppe Stattgespräch ersetzt Kult-Stück nach 13 Jahren Laufzeit
VON BARBARA LUETGEBRUNE

Drei sind einer zuviel. Nach 13 erfolgreichen Jahren tritt Richard Endlich von der Stattgespräch-Bühne ab. Neuer Solist - neben Hermann in seiner Kult-Schlacht - wird kein Geringerer als König Ödipus.

Drei Soli, zwei Schauspieler, eine Bühne | Foto: Luetgebrune

Lemgo. Zwei große Soloprogramme hat die Freie Theatergruppe Stattgespräch bislang auf dem Spielplan gehabt. Das soll auch so bleiben. Und weil Markus Mogwitz am 13. April mit seinem Solo "König Ödipus" Premiere hat, muss eines der alten Kult-Stücke, in denen Frank Wiemann auf der Bühne steht, weichen: "Hermanns Schlacht" oder "Richard Endlich ist allein"?

Das war hier die Frage. Die im direkten Vergleich nicht schwierig zu beantworten war - Frank Wiemann hat sich letztlich gegen das Stück mit dem deutlich höheren Ausstattungs-Aufwand entschieden. Viel härter war es, die grundsätzliche Entscheidung zu treffen. "Der Abschied tut schon weh", sagt der Stattgespräch-Chef.

Könnte gut sein, dass das den Zuschauern genauso geht, denn sie haben Richard Endlich geliebt. Seit seiner Premiere 1999 war das Stück allein in Lemgo 52 Mal ausverkauft. Getoppt wird das nur noch von "Hermanns Schlacht". Das Stück läuft seit 14 Jahren, Frank Wiemann hat es in Lemgo 63 Mal vor ausverkauftem Haus gespielt - insgesamt hat er das Solo gut 100 Mal gezeigt.

So "allein" wie der Protagonist in seinem Stück ist - das versteht sich - auch Frank Wiemann als Darsteller auf der Bühne. Und genau das sei der besondere Reiz an Soloprogrammen, erzählt er: "Du bist der Einzige auf der Bühne. Der Einzige, der das Publikum fesselt oder auch langweilt - das ist zum Glück nie passiert. Aber du kannst in so einem Solo auch unheimlich gut mit dem Publikum spielen."

Das funktioniert besonders gut in "Hermanns Schlacht", dem Stück, in dem der kleine Statist Hermann sich - vom Ensemble im Stich gelassen - allein auf der Bühne wiederfindet. Er bittet das Publikum, wieder nach Hause zu gehen - und als das nicht funktioniert, ihm wenigstens auf der Bühne Gesellschaft zu leisten. "Nach gut 60 Vorstellung ist es jetzt zum ersten Mal passiert, dass eine Zuschauerin auf meine Bitte hin auf die Bühne gekommen ist." Frank Wiemann lacht. "Jede Vorstellung ist anders. Und das macht wahnsinnig viel Spaße."

So viel Raum für Interaktion lässt das neue Solo, "König Ödipus", seinem Darsteller Markus Mogwitz nicht. "Bodo Wartke hat die berühmte Sage von Sophokles nachgedichtet, das Stück ist von vorne bis hinten in Reimform geschrieben." Dennoch sei auch dieses Solo eine unglaubliche Herausforderung, bestätigt Markus Mogwitz - auch für die Zuschauer übrigens. "Die kommen nicht drum herum, sich mit einer Person auseinander zu setzen." Eine einzige Person auf der Bühne. Allein. "Du bist völlig auf dich gestellt. Du brauchst viel Mut." Hat er Angst? Markus Mogwitz überlegt. "Nein, aber Respekt. Und das ist gut."

Dokumenten Information
Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2014
Dokument erstellt am 08.02.2012 um 00:13:15 Uhr
Letzte Änderung am 08.02.2012 um 21:26:33 Uhr

Tickets und Termine

"Richard Endlich dreht durch. Er sprengt unbeabsichtigt seine Wohnzimmerwand in die Luft und flüchtet vor der Polizei ins Nebenhaus. Dort findet eine Theatervorstellung statt. Von der Polizei in die Enge getrieben, nimmt er die Zuschauer notgedrungen als Geisel": Das stellt die Theatergruppe Stattgespräch der Solokomödie von Uli Brée voran, die noch vier Mal im Lemgoer Bahnhof zu sehen ist: Freitag, 10. Februar, 20 Uhr; Samstag, 11. Februar, 19.30 Uhr, Sonntag, 12. Februar, 15 Uhr und Samstag, 25. Februar, 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet 13 Euro, Schüler und Studenten zahlen 9 Euro. Karten gibt es in den LZ-Geschäftsstellen. Ab 13. April löst dann "König Ödipus" das Kult-Stück ab. "Bodo Wartkes Neudichtung der klassischen Tragödie von Sophokles bietet einen barrierefreien Einstieg in den berühmten Sagenstoff und vereint Komödie und Tragödie zu einem fantastischen Theaterabend", schreiben die Veranstalter dazu.



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