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11.02.2012
DETMOLD
Prof. Martin Christoph Redel über das Unterrichten, Lernen und Komponieren
"Ich mache nicht gern Politik mit meiner Musik"

Detmold. Er hat hier studiert und anschließend mehr als 40 Jahre gelehrt: Prof. Martin Christoph Redel ist der Detmolder Hochschule für Musik verbunden wie kaum ein anderer. Jetzt geht er in den Ruhestand.

Detmold. Zum Abschied sprach die LZ mit dem Professor für Kompositionslehre und renommierten Komponisten über das Lehren, das Lernen und das Komponieren.

Herr Redel, als Sie 1971 als Dozent anfingen, können Sie selbst noch gar nicht so lange mit dem Studium fertig gewesen sein, oder?

Prof. Martin Christoph Redel: Stimmt, ich war kaum älter als die Studierenden. Damals gab es eine Vakanz auf der Position, die die Hochschulleitung möglichst schnell wieder besetzt haben wollte. Also hat man mich gefragt, obwohl ich noch keinerlei Lehrerfahrung hatte. Das war anfangs ein "Learning by Doing".

Info
Martin Christoph Redel, Jahrgang 1947, studierte an der Nordwestdeutschen Musikakademie Detmold Schlagzeug und Komposition, wechselte dann an die Musikhochschule Hannover. Seit 1971 war er Dozent für Musiktheorie und Gehörbildung, seit 1979 Professor für Kompositionslehre an der Detmolder Hochschule, die er von 1993 bis 2001 als Rektor leitete. Seit 1974 leitet er Kurse und Wettbewerbe für junge Komponisten auf Schloss Weikersheim. Für seine Werke, die in vielen Ländern der Welt zur Aufführung und Produktion gelangten, wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

War das ein Nachteil?

Redel: Aus heutiger Sicht nicht. Schönbergs "Harmonielehre" beginnt mit dem Satz: "Dieses Buch habe ich von meinen Schülern gelernt." So sehe ich das auch - das ist ein ganz wichtiger Ansatz, gerade im Kompositionsunterricht, wenn Schüler ganz anders komponieren als man selbst.

Wie ist das, kann man Komponieren überhaupt lehren und lernen?

Redel: Nicht so wie im Instrumentalunterricht, wo ich Studenten technische Tipps geben kann. Beim Komponieren muss ich die Ideen des Schülers respektieren und kann nur bei der Umsetzung gewisse Ratschläge geben. Ich sehe mich da eher in der Rolle eines erfahrenen Beraters. Auf jeden Fall macht es ganz viel Spaß, sich mit dem zu befassen, was andere denken.

Sie haben ja nicht nur unterrichtet, Sie komponieren auch selbst. Wie hat die Gewichtung zwischen diesen beiden Polen ausgesehen?

Redel: Ich bin immer ein sehr engagierter Lehrer gewesen und habe mich intensiv vorbereitet. Das muss sein, wenn man den Unterricht interessant gestalten will - das Unterrichten war mein Schwerpunkt. Insofern war mein kompositorischer Output auch nicht besonders hoch. Ich habe zwischen ein und drei Stücken pro Jahr geschrieben, immer in den Ferien.

Haben Sie kompositorische Vorbilder?

Redel: Ich schätze sehr viele Komponisten aus unterschiedlichen Gründen. Bruckner zum Beispiel wegen der unglaublichen Weite, der Dimension seiner Stücke. Aber natürlich auch Bach, Mozart und viele, viele andere. Unter den zeitgenössischen Komponisten schätze ich beispielsweise Ligeti und Lutoslawski. Das heißt nicht, dass ich so komponieren will wie sie, aber sie sind Vorbilder.

Wie sehen Sie das, müssen Musikstücke heute politische oder gesellschaftliche Botschaften transportieren?

Redel: Nono, der Große, hat das versucht. Die Arbeiter, für die er die Stücke geschrieben hat, haben sie aber gar nicht verstanden. Unter dem erschütternden Eindruck der Anschläge vom 11. September 2001 habe ich ein Stück mit dem Titel "Ground Zero" geschrieben. Aber ist das ein politisches Stück? Ich mache nicht gern Politik mit meiner Musik, ich mache überhaupt nicht gern Politik.

War das auch ein Grund dafür, dass Sie das Amt des Rektors relativ bald wieder aufgegeben haben?

Redel: Ja, nach acht Jahren Rektorzeit hatte ich genug davon, anstelle der künstlerischen Leitung einer Musikhochschule nur mit Verordnungen und Rechtfertigungen gegenüber Vorgesetzten zu tun zu haben, die von Struktur und Besonderheiten einer Musikhochschule keine Ahnung haben.

Ein Schwerpunkt Ihres Engagements, auch auf pädagogischer Ebene, war immer die zeitgenössische Musik.

Redel: Die Neue Musik hatte es immer schwer in Detmold, weil der so genannte "Detmolder Geist" eher konservativ geprägt ist. Zehn Jahre lang habe ich mit Kollegen regelmäßig Konzerte mit Neuer Musik gegeben. Ich hatte mir gedacht, wenn wir als Dozenten das machen, ist das ein Vorbild für die Studenten. Das hat aber so nicht geklappt. Stattdessen bin ich über die Jahre zum "Mr. Neue Musik" der Hochschule geworden. Das ist aber überhaupt nicht gut, wenn das so läuft. Die zeitgenössische Musik müsste im Bewusstsein aller Lehrenden stärker verankert sein.

Was wünschen Sie sich noch für die Zukunft ihres Faches an der Hochschule?

Redel: Gut fände ich es, wenn mein Nachfolger zwar Traditionsbewusstsein mitbringen, sich aber auch an der aktuellen musikalischen Front auskennen würde. Ich finde es zum Beispiel ganz wichtig für die Ausbildung der Studierenden, dass sie mit elektronischer Musik in Berührung kommen - auch wenn sie eigentlich Streichquartette schrei­ben wollen.


Das Interview führte LZ-Redakteurin Barbara Luetgebrune.

Dokumenten Information
Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2014
Dokument erstellt am 11.02.2012 um 00:10:33 Uhr
Letzte Änderung am 11.02.2012 um 13:08:03 Uhr

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