Bad Salzuflen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, einen spannungsvollen Krimi zu verfassen. Am Donnerstag gelang auf Einladung des Kulturvereins "Gleis 1" im "Lokation" die Gegenüberstellung von drei grundverschiedenen Schilderungen preisgekrönter Autoren.
Wohin mit dem abgetrennten, noch blutenden Kopf? Grusel mit verteilten Rollen im Schummerlicht stand am Anfang. Das Schriftsteller-Trio sorgte für eine Atmosphäre, in der häppchenweise Neugier auf das komplette Geschehen geweckt wurde.
Als erster trat der auf Regionalkrimis spezialisierte Autor Uwe Voehl vor das zahlreich erschienene Publikum. Elegantes Ambiente - gespeist wird in der Nachbarschaft der Gradierwerke - wechselt mit dreckigen Verfolgungsszenen nach dem Vorbild amerikanischer Thriller. "Blut und Rüben" heißt der Auftakt der neuen Buchreihe, in der unter anderem auf die Folter-Androhung im Fall des ermordeten Jakob von Metzeler angespielt wird. Der Liebe zur Region verdankt der Krimi aber auch das Upgrading der Gauseköte zum "Gebirgs-Pass".
Überhaupt kommt bei allem blutigen Geschehen der Humor nicht zu kurz. Das zeigt sich vor allem bei "Splitter im Auge" . Norbert Horst schildert aus eigener Erfahrung Szenen, bei denen sich Tragik und Komik die Hand reichen. So etwa, wenn der ahnungslosen Gattin die Nachricht überbracht werden muss, dass der brave Ehemann just im Bordell der allzu großem Anstrengung erlag.
Der Kriminalhauptkommissar kennt das Milieu, in dem "schon der Opa von der Stütze lebte" und Väter sich nicht einmal aus dem Bett wuchten, wenn der minderjährige Sohn abgeführt wird. Es geht zudem um den Mord an einer jungen Prostituierten. Doch der aus Burkina Faso stammende Verdächtige hat die Tat möglicherweise doch nicht begangen.
Die Bielefelder Autorin Mechtild Borrmann ("Wer das Schweigen bricht"), just mit dem Deutschen Krimipreis geehrt, kommt wohl am ehesten der literarisch geprägten Krimi-Gattung nahe. Hier geht es um Verbrechen, die im Zweiten Weltkrieg begangen wurden und deren Spuren bis in die Gegenwart führen.
Vermutet wird ein Tausch der Identitäten, verlorenes Vertrauen und ein Glück, das auf dem Unglück anderer basiert. Unheilvolles entwickelt und vollendet sich zwischen dem niederrheinischen Kleve und Mallorca. Für den Abbau von Spannung sorgte zwischen den Lesungen ein junges Musiker-Duo. Fabian Schmidt am Keyboard und die stimmgewaltige Sängerin Larissa Rieke wurden mit kräftigem Beifall bedacht.(Nv)