"Schönen Gruß vom Blues!": Christoph "Jimmy" Reiter bringt das Publikum zum Tanzen
Detmold. Zwischen den Stuhlreihen tanzende Gäste in der prall gefüllten Aula der alten Schule am Wall: Das kommt auch beim "Schönen Gruß vom Blues" nicht so oft vor. Gitarrist und Sänger Christoph "Jimmy" Reiter hat sein Publikum mitgerissen.
Vom "Gitarren-Massaker von Detmold" spricht der Osnabrücker gegen Ende der rasanten Veranstaltung selbst. Zuvor hat er gemeinsam mit Gitarrist Jan Mohr aus der Band von Gastgeber Dieter Kropp aber auch alles aus diesen Instrumenten herausgeholt. Immer wieder trieben sich beide Saitenvirtuosen in wechselnden Soli zu Höchstleistungen. Kein Wunder, dass es ihr Publikum am Ende nicht mehr auf den Stühlen hielt.
Dieter Kropp hatte den Gitarristen und Sänger aus Osnabrück als "jungen" Bluesmusiker vorgestellt. "Jung heißt unter Bluesmusikern, dass man unter 50 ist", fügte Kropp hinzu. Und auch der Gast, der zwischenzeitlich auch Bassist Dirk Vollbrecht und Schlagzeuger Björn Puls Gelegenheit einräumte, eigene Inspirationen in Form verschiedener Soli einzubringen, brachte eine ordentliche Portion Humor mit.
So erinnerte er daran, dass nach einer Studie die Menschen in seiner Heimatstadt Osnabrück die glücklichsten in Deutschland seien. Gegen den daraufhin vom Stadtmarketing eingeführten Slogan "Ich komm' zum Glück aus Osnabrück" habe er dann eine Petition eingereicht. Für einen traurig-melancholischen Bluessänger sei das nahezu rufschädigend.
Dann griff er wieder in die Saiten. Von wegen "Hard Times": Bei dem von den zwei Gitarren dominierten Stück versprühte das Musiker-Quintett extreme Spielfreude im Saal. Besonders in den Soli zeigten die nicht beteiligten Musiker in einigen Szenen ihren Spaß an dem Auftritt. Das unterstrich Reiter auch in seinen Abschiedsworten, die man ihm nach dem Gehörten und Gesehenen einfach abnehmen musste: "Es hat mir tierisch viel Spaß gemacht."
Zuvor hatte er allerdings noch einen sehr stillen Beweis seiner Spielkunst geliefert. Im Gitarrensolo in "It's Too Bad Things Are Going So Tough" vermochte er, die ganz leisen Klänge aus dem Instrument herauszukitzeln. Im gebannt lauschenden Publikum traute man sich kaum zu atmen. Die Stille gab den "Streicheleinheiten für die Saiten" eine ganz besondere Atmosphäre.(aga)