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06.02.2013
DETMOLD
"Wie ihr wollt!" wird am Landestheater uraufgeführt
Matthias Eckoldt schrieb Bühnenstück über Freiheit

Die Denkerin als Stichwortgeberin und "Götterbotin" | Foto: Landestheater/BRachwitz

Detmold (sk). Auftragswerke vergibt das Landestheater nicht sehr oft. Von Matthias Eckoldt hat es sich jetzt eines schreiben lassen. Das Thema: Freiheit. Die Premiere: Freitag, 8. Februar.

"Es kostet Geld, es kostet Energie, es kostet Vorlaufzeit", erklärt Chefdramaturg Dr. Christian Katzschmann. Da wundert es beinahe, dass die Bühne sich ein Stück schreiben ließ. "Wie ihr wollt!" heißt es, und geboren wurde die Idee dennoch unter Beteiligung von Katzschmann, der schildert: "Wir haben uns die Frage gestellt, was Freiheit denn heute bedeutet."

Die Antwort darauf will Matthias Eckoldt geben - mit einem Stück, das sich nicht in einen klassischen Handlungsbogen einfassen lässt. Schauspieldirektorin Tatjana Rese, die Regie führt, erklärt, wie es zu der Zusammenarbeit kam: "Uns verbindet eine langjährige Zusammenarbeit. Interessant ist, dass Matthias Eckholdt kein reiner Bühnenautor ist, sondern als Journalist, Roman- und wissenschaftlicher Autor arbeitet." Als Vorgabe hatte er lediglich, einen diskursiven Text über die Freiheit zu gestalten, der einerseits lustig, andererseits aber auch anstrengend sein sollte.

"Das klang sehr interessant", sagt Eckoldt, der schildert: "Wir denken zwar, dass wir mit unserer Sprache über ein großes Stück Freiheit verfügen. Wir können aber nur einen Teil dessen überhaupt ausdrücken, was in uns vorgeht." Und da geht es schon los mit den Einschränkungen, und Tatjana Rese ergänzt: "Freiheit gebiert auch immer Unfreiheit." Sie werde oft verwechselt, sagt Eckoldt. Verwechselt zum Beispiel mit der Wahlfreiheit innerhalb der Konsumgesellschaft. "Wir sitzen in der Falle, wenn das geschieht", so der Autor. "Wir glauben, wir hätten im Elektromarkt die Wahl zwischen allen Produkten - und sind dann entäuscht, dass wir nur eines davon nehmen können." Tatsächliche Freiheit sei vielmehr eine innere Freiheit, für die die äußeren Bedingungen keine Rolle spielen.

Getragen werden die Fragen von den Gruppen der Suchenden (Jenny-Ellen Riemann, Marie Suttner, Robert Augustin, Martin Krah) und der Gedemütigten (Stephan Clemens, Joachim Ruczynski). Dazwischen schwirren die Denkerin (Ewa Rataj) und der Entertainer (Christoph Grummert). Sie werden den verschiedenen Aspekten des Freiheitsbegriffs in Spielpassagen nachgehen, aber auch in, so Eckoldt, essayistischen Passagen, die provozieren sollen. Das alles hört sich schwer und sperrig an, soll im mit medientheoretischen Aussagen geschmückten Bühnenbild von Petra Mollérus aber mehr als Lustspiel verstanden werden. Autor Eckoldt: "Die Hoffnung wäre, dass man belustigt aus dem Stück geht." Für die Musik sorgt die A-Cappella-Gruppe "Selbstlaut".

Die Uraufführung ist am Freitag, 8. Februar, um 19.30 Uhr zu sehen. Weitere Termine sind am 10., 13., 16., 23. Februar und danach erst wieder im März.

Dokumenten Information
Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2014
Dokument erstellt am 05.02.2013 um 22:17:59 Uhr
Letzte Änderung am 06.02.2013 um 12:20:06 Uhr

Persönlich:
Matthias Eckoldt wurde 1964 in Berlin geboren. Er absolvierte zunächst eine Berufsausbildung als Elektriker. Ende der achtziger Jahre arbeitete er als Korrektor, Reporter, Rezensent und Moderator. Er studierte Philosophie, Germanistik und Kulturwissenschaften und promovierte 2006. Er hat viel für den Hörfunk gearbeitet und Essays über Erkenntnistheorie, Religionswissenschaft, Trendforschung, Medientheorie und Hirnforschung publiziert. Bei Eichborn erschien sein Roman "moment of excellence", später "Letzte Tage. Ein Boxerroman". Er erhielt den Jurypreis beim "Festival des Freien Hörspiels" für "Ich bin ein Schweinehund, das ist gar nicht auszudenken".


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