Die Theaterbühne "Hof" inszeniert den Bühnenklassiker "Charleys Tante" mit viel Elan und Witzen aus dem vergangenen Jahrhundert altbackener denn je. Aber mit Erfolg: Das Publikum ist begeistert.
Das Licht geht aus - das Licht geht an. Szene: Das Bühnenbild einer Bibliothek aus dem 19. Jahrhundert, wie aus einem Kindertheater. Mittendrin: ein leicht nervöser und hysterischer Collegestudent Jack Chesney, gespielt von Jörn Bregenzer, der auf und ab laufend versucht, die Muse zu finden: Er will seiner Herzensdame Kitty (Nina Machalz) einen Liebesbrief schreiben.
Kurz darauf erscheint sein Kommilitone Charley (John Peter Altgelt), den das selbe Problem plagt, und nun laufen beide wie angestochene Hühner über die Bühne. Natürlich ist klar, dass ein Treffen zwischen zwei jungen Damen und zwei Gentlemen nicht ohne Anstandsdame möglich ist. Ein Glück, dass Charleys Tante aus Brasilien ihren Besuch angekündigt hat. Als diese dann aber leider nicht erscheint und die Mädchen schon vor der Tür stehen, muss kurzerhand Mitstudent Lord Fancourt Babberley als ‚Tante’ herhalten.
Als dann doch noch die echte Tante erscheint und zwei liebestolle, geldgierige Herren um die Hand der falschen Tante anhalten wollen, schein das Chaos perfekt zu sein.
Unter diesen Vorraussetzungen könnte ein Stück durchaus amüsant sein – und dass eine Komödie überzeichnet sein muss, ist auch klar. Aber wenn derselbe Witz noch das fünfte Mal wiederholt wird, verliert er seinen Reiz. Wenn man den Zuschauern bei einem ohnehin eher seichten Stück schon einen Wink mit dem Zaunpfahl geben muss, dass es jetzt an der Zeit wäre zu lachen, ist es einfach nur langweilig.
Es stimmt schon, dass so ein Stück schwer zu modernisieren ist, aber man muss auch erkennen, wenn der Zeitgeist die Komik des Witzes überholt hat und sollte sich diesen Gegebenheiten anpassen.
Auch der rote Faden der starren Etikette des 19. Jahrhunderts wird nur die erste halbe Stunde aufrecht erhalten, während im folgenden Akt alles darangesetzt wird, die Lachmuskeln der Zuschauer überzustrapazieren.
Allerdings zeichnet sich einer der Nebencharaktere durch richtige Komik aus: Sir Francis Chesney (Jens Hollowedel), ein altgedienter Oberst der British Army, ist durch seinen trockenen und direkten Humor wirklich lustig und eine willkommene Abwechslung zu der doch eher durch Hysterie geprägten Stimmung. Ähnlich der Butler Brasset (Florian Bänsch), der mit seinem falsch ausgesprochenen "Sir" das ganze Stück über für "echte" Lacher gesorgt hat.
Und auch die falsche Tante wirkt durch ihre – oder besser: seine – übertriebene Art nicht so albern wie seine Mitstudenten, da er eine Rolle spielt, die wirklich albern sein soll. "Frauen sind wie Kamele, auf denen die Männer durch die Wüste des Lebens reiten": Ralf Hocke hat dieses Kamel wunderbar verkörpert.
Leider wurde beim Inszenieren dieses Stücks, das doch großes Potenzial birgt, der kleine, aber feine Grad der Übertreibung überschritten, nicht zuletzt durch die knalligen Karnevalskostüme. Als leichte Vorabendunterhaltung ist das Stück trotzdem empfehlenswert.
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