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21.03.2011
ANNIKA DEPPING
Von der Kunst, ins Schwarze zu treffen

Schallendes Gelächter, spontaner Applaus. Der Klassiker "Charleys Tante", aufgeführt vom Theater Hof, hat im Sommertheater das Publikum begeistert. Dennoch blieb das Stück eher flach.

"Fast jeder Mensch hat eine Tante!", heißt es im Stück. Und ab heute hat Charles Wykeham gleicht zwei - eine reiche und eine schlecht rasierte. Denn um mit ihren Angebeteten zusammen sein zu können, brauchen die zwei Studenten Charles Wykeham und Jack Chesney die Unterstützung einer Anstandsdame.

Praktisch, dass sich da die reiche Tante aus Brasilien angekündigt hat, die sich allerdings verspätet. Kurzentschlossen wird der Kommilitone Lord Francourt Babberley in Frauenkleider gezwängt. Denn das Ziel ist klar: Heiraten oder "ins Schwarze treffen", wie es Jacks Vater ausdrückt. Das Chaos ist programmiert, und dann taucht auch noch die wahre Tante auf...

Die Inszenierung von Jürgen Lorenzen setzt auf Slapstick und Klamauk und stößt damit beim Publikum auf Begeisterung. Doch manchmal scheint es so, als habe der Regisseur es mit der Übertreibung etwas übertrieben. So bleibt auch die Darbietung an einigen Stellen gekünstelt und flach, und nicht jeder Scherz trifft tatsächlich ins Schwarze.

Sätze wie "Ich bin eine Witzfigur!" wirken symptomatisch. Trotzdem überzeugt Ralf Hocke in seiner Rolle als falsche Tante und sorgt mit Witz und sichtlicher Freude am Spiel für schallendes Gelächter. Andere Rollen, etwa die der Angebeteten, wirken stark überspitzt – die Darsteller zeichnen sich aber durch ein auffällig gutes Zusammenspiel aus.

"Man lacht darüber, dass die Figuren falsche Lösungsansätze wählen. Sie selbst finden ihre Notsituation aber weniger lustig", hatte das Regie-Team im Vorgespräch erklärt. Diese Einstellung scheint nicht immer berücksichtigt worden zu sein - beispielsweise dann, wenn sich die Studenten ins verwicklungsreiche Liebeschaos stürzen.

Die innere Zerrissenheit und der Konflikt angesichts der strengen Etikette des ausgehenden 19. Jahrhunderts werden kaum angedeutet. Der Kampf um das Lebensglück scheint nebensächlich angesichts der Aufgabe, dem Publikum jeden Witz mit Leuchtpfeil zu präsentieren.

Das Bühnenbild von Anne Weiler versucht den Spagat zwischen dem Oxford der Vergangenheit, und einer traumhaften Fantasiewelt der Blumen und überdimensionierten Blätter, und kann trotzdem nicht verhindern, dass die Zeitmaschine in die Vergangenheit etwas stockt.

Doch wenn es zum Höhepunkt, dem Tango der Tanten, kommt, lässt man sich auch von karnevalistischen Kostümen oder anderen Schönheitsfehlern nicht abschrecken. Bis zur letzten Minute wird mitgefiebert. Zum Schluss gibt’s endlich das Happy End mit angekündigter Massenhochzeit.

Dokumenten Information
Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2014
Dokument erstellt am 21.03.2011 um 17:21:06 Uhr
Letzte Änderung am 22.03.2011 um 11:58:55 Uhr

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