Großen Künstlern und Menschen begegnet man in Ronald Harwoods Stück "Der Fall Richard Strauss", das die Landesbühne Rheinland-Pfalz im Sommertheater zeigte. Es zeichnet ein Bild eines Menschen, den der Nationalsozialismus in einen tiefen inneren Zwiespalt stürzt.
Richard Strauss: Er ist ein Genie, ein Allerweltsmensch, ein Mann der Geschichte. Seine Kompositionen begeistern Tausende, aber jetzt, Ende 1931, fehlt ihm eine Idee. Hilfe muss her: Der Schriftsteller Stefan Zweig soll ein Libretto schreiben.
Strauss begibt sich mit seiner gedanklichen Wünschelrute in den Sandsturm von Zweigs Kreativität. Bald werden die beiden Freunde. Doch dann beginnen die Nazis, in Deutschland Gift zu verspritzen, und die Zusammenarbeit ist in Gefahr: Zweig ist Jude, und seine pazifistische Welt von gestern kommt an ihr Ende.
Das Bühnenbild von Frank Joseph löst auf intelligente Weise das Problem, an zwei Orten gleichzeitig zu sein. Im Zentrum steht das Klavier, dem Strauss seine Melodien entlockt, links davon liegt das Wohnzimmer der Zweigs in Salzburg, rechts das Strauss’sche in Garmisch. Licht erhellt mal das eine, mal das andere Zimmer. Die Übergänge begleitet ein blaues Aufleuchten, die Daten des Geschehens werden an den Portalbogen projiziert.
So ist es fast, als befände sich der ganze Saal in einem Geschichtsbuch. Denn auch alles andere vermittelt den Eindruck des vergangenen Jahrhunderts, das Bühnenbild sowie die authentischen Kostüme.
Geschichte ist trocken - das ist ein Klischee. Und im Fall von "Richard Strauss" lebt es. Für Freunde klassischer Musik und insbesondere des Komponisten Richard Strauss bietet die Inszenierung von Gert Becker sicherlich viele interessante Aspekte. Auf den normalen Theatergänger allerdings wirkt sie zuweilen etwas ermüdend, gar nichtssagend. Natürlich ist der Zwiespalt, in den die Kunst Strauss treibt, beklemmend.
Jedoch fehlten dem Stück einige spannende Elemente, die die Zuschauer hätten berühren können. Vieles, was zur Sprache kommt, sind Zitate von Strauss oder Zweig. Der geschichtsträchtige Rahmen schafft allerdings eine enorme Distanz, die sich nur schwer aufheben lässt. Trotzdem war das Publikum am Ende außer Rand und Band.
Die Schauspieler Peter Hohberger (Strauss) und Leo Braune (Zweig) lassen die beiden Künstler in ihrer verschrobenen Genialität erstrahlen. Ihr innerer Konflikt ist fast greifbar, trotzdem springt der Funke nicht richtig über.
"Wir sind dazu verdammt, in dieser Welt zu leben, wie sie ist", konstatiert Zweig angesichts der Bedrohung durch das nationalsozialistische Regime. Für ihn gibt es nur den einen Ausweg: Er wandert nach Brasilien aus. Doch die Realität bleibt bestehen, und so setzt er seinem Leben ein Ende.
Die Meinungen der beiden Künstler könnten nicht unterschiedlicher sein. Zweig fühlt sich von der Politik angeekelt, Strauss lebt nur für seine Kunst und arrangiert sich mit dem Regime. Strauss muss sich später vor dem Entnazifizierungsgericht behaupten. Mit seiner Frau sitzt er frontal vorm Publikum und kämpft für sein Leben, für das seiner Familie und für seine Kunst. So fühlt man sich von diesen Problemen direkt angesprochen. Trotzdem werden die Emotionen etwas erdrückt.
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