Gekonnt wird in der Produktion der Landesbühne Rheinland-Pfalz die Zusammenarbeit von Komponist Richard Strauss und Schriftsteller Stefan Zweig in Szene gesetzt - immer vor dem Hintergrund des sich aufbauenden NS-Regimes.
Richard Strauss befindet sich in einer Krise. Sein bisheriger Kollege und Freund Hugo von Hofmannsthal ist verstorben, doch er braucht dessen Worte, um Opern komponieren zu können. Auf Drängen seiner Frau Pauline, grandios gespielt von Michaela Klarwein, wagt er es, den erfolgreichen jüdischen Schriftsteller Stefan Zweig um einen Zusammenarbeit zu bitten.
Nach einem schwerfälligen Einstieg, in dem sich die beiden Protagonisten einen halbstündigen Schlagabtausch gegenseitiger Ehrschätzung liefern, beginnen die Darsteller langsam, Persönlichkeit anzunehmen. Insbesondere Leo Braune als Stefan Zweig spielt sich immer mehr in die Herzen des Publikums.
Während die beiden Künstler über die Planung ihres gemeinsamen Librettos sprechen, verwandeln sich die gestandenen Männer in begeisterte Kinder.
Das einfach gehaltene Bühnenbild unterstützt die Darstellung der Personen. Das Klavier in der Mitte der Bühne verbindet die Wohnorte der Künstler, Garmisch und Salzburg.
Strauss und Zweig ergänzen sich in ihrer Arbeit perfekt, während die politischen Hintergründe zunehmend zu einem Problem werden.
Schon früh betont Zweig: "Ich darf nicht zu lange von der europäischen Kultur getrennt sein." Dies wird ihm später zum Verhängnis werden.
Der Schriftsteller ist ein Pazifist, ein Mann der Freiheit, die sich in seinen Worten widerspiegelt.
1933 erfährt seine Sekretärin Lotte, eine stille Persönlichkeit, die erste Demütigung von NS-Anhängern. Der noch verheiratete Zweig lernt die unscheinbare Frau lieben.
Verzweifelt macht Zweig seine Gefühle und die Angst vor der politischen Bedrohung vor Strauss und dessen Frau deutlich, während der Komponist noch glaubt, das Schicksal Deutschlands ließe sich abwenden. "Sie werden es niemals schaffen, ihre Ideologien durchzusetzen", lacht er, während Zweig den Tränen nahe ist.
Als Zweig von der Bücherverbrennung erzählt, der auch seine Werke zum Opfer gefallen sind, versucht Richard Strauss zu beschwichtigen. "Sie wollen die Kunst fördern."
"Sie wollen die Kunst kontrollieren!", entgegnet Zweig.
Hier zeigt sich deutlich, wie unterschiedlich die beiden das Regime sehen. Der Schriftsteller, der zuvor noch stolz berichtete, er habe noch nie unter einer Schreibblockade gelitten, findet unter dem politischen Druck die Worte nicht mehr.
Als Zweig schließlich Europa verlassen will, versucht Strauss, ihn zum Weitermachen zu überreden. Obwohl er selbst von den Nazis bedroht wird, als er hinter der Zusammenarbeit und der Freundschaft zu Zweig steht, geht er blauäugig durch das Dritte Reich. Strauss ist der festen Überzeugung, Kunst und Politik ließen sich trennen, er erkennt den Zusammenhang nicht, den sich Zweig schon deutlich vor Augen geführt hat. "Er hat sich in einem Luftschloss eingeschlossen", sagt Zweig.
Zweig und Lotte gehen nach Brasilien ins Exil, wo sie sich 1942 auch das Leben nehmen.
Am Ende muss sich auch Strauss vor der Entnazifizierung rechtfertigen. Unter Tränen berichtet er über seinen Kollegen, bis das Licht auf der Bühne erlischt. Einige Sekunden ist das Publikum regungslos, dann bricht der Applaus aus.
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