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24.03.2011
CAMILLA MÄRZ
Zufall spielt im Stück keine Rolle

Das Landestheater Burghofbühne Dinslaken bringt Dürrenmatts "Der Richter und sein Henker" mit mäßigem Erfolg auf die Bühne des Detmolder Landestheaters.
  Der Polizist Schmied wird erschossen in seinem Wagen aufgefunden. Nun muss der schwer kranke Bärlach den Mörder finden. Zur Seite steht ihm der krankhaft nach Erfolg strebende Herr Tschanz, der ein starkes Motiv für den Mord hat, da er schon immer auf Schmieds Posten und dessen Verlobte aus war.

Allerdings lenkt Bärlach den Verdacht auf seinen alten Feind Gastmann, mit dem er eine Wette laufen hat: Gastmann wollte es schaffen das perfekte Verbrechen zu begehen, ohne dass Bärlach es aufklären könnte. Gastmann tötete darauf hin einen Mann, und Bärlach war nicht im Stande, ihn zu überführen.

Nun möchte Bärlach ihm ein Verbrechen in die Schuhe schieben, das er ausnahmsweise nicht begangen hat. Denn: "Eine Nacht und eine Wette ketteten sie auf ewig aneinander." Deshalb setzt Bärlach den schuldigen Tschanz auf Gastmann an und schickt jenem als "Richter" den "Henker", der die alte Rechnung begleichen wird. Denn Bärlach hat selber nicht mehr so viel Zeit zu leben…  

Die Problematik des häufigen Szenenwechsels hat Lars Helmer sehr raffiniert gelöst: Er lässt Dürrenmatt selbst aktiv teilnehmen, der immer wieder die Szenen einleitet und bei einem Szenenwechsel den neuen Ort laut auf seiner Schreibmaschine tippt. Auch die Bühnenbildner haben hervorragende Arbeit geleistet: Am Anfang jeder Szene schieben die Schauspieler selbst einige Kästen und Tische um, und schon entsteht ein neuer Raum. Ein wunderbarer Einfall, auch wenn das Bühnenbild etwas minimalistisch gehalten ist.

Normalerweise sollte ein unauffälliges Bühnenbild die Aufmerksamkeit des Beobachters auf die Handlung lenken. Jedoch war die Handlung ebenfalls sehr schlicht gehalten, wodurch das Stück wenig Tiefgang und Farbe hatte. Dürrenmatt wird bei seiner Tipperei auf dem Kontrabass von René Lozynski begleitet, wobei die dunklen Töne des Basses die Tippgeräusche untermalen. So entsteht eine Atmosphäre wie in einem echten Krimi - tolle Idee. 
  Die Hauptperson Kommissar Bärlach  (Thomas Ulbricht) Verhält sich die ganze Zeit sehr unauffällig, da er kaum Raum in dem Stück für sich beansprucht. Auch der sehr enthusiastische Stellvertreter Bärlachs, Herr Tschanz, der die Ermittlungen hauptsächlich leitet, zeichnet sich nicht als kriminalistisches Genie aus. Dass Herr Tschanz der eigentliche Mörder von Schmied ist, wird dem Beobachter sehr schnell klar, sobald er auf Anna, die Verlobte des Ermordeten, stößt, da Tschanz scheinbar eine Beziehung mit ihr hat und so das Mordmotiv offensichtlich ist. Dadurch birgt das Stück wenig Überraschungen. Anna, die Verlobte des Ermordeten mit ihrer gepressten Stimme und den Texten, die sehr auswendig gelernt klingen, wirkt nicht sehr überzeugend. Somit hätte man sich die zusätzliche Anna-Szene, die dem Stück hinzugefügt wurde, sparen können.
  Der "Zufall", der das Stück bestimmen sollte, spielt gar keine Rolle, da Bärlach alles ganz genau durchdacht hat, und so ist auch Bärlachs Spitzname "Kommissar Zufall" hinfällig. Zu sehen sind viele zusammengewürfelte Szenen, die wenig mit einander verbindet, und erst am Schluss wird alles in drei Sätzen aufgeklärt. Allerdings ist das auch nicht weiter schlimm, da die "Kriminalgeschichte" sowieso keine Spannung erzeugt hat.
  Lars Helmer hat mit seiner Bühnenfassung nicht ins Schwarze getroffen. Die Zuschauer schienen nur mäßig begeistert, denn als die Schauspieler zum dritten Mal auf die Bühne kamen, war der Applaus verebbt und das halbe Publikum strebte schon zum Ausgang. Allerdings muss hinzugefügt werden, dass man das Stück nur teilweise genießen konnte, da mehrere Schulklassen zugegen waren, die meinten, es wäre besonders komisch, das laufende Stück lautstark zu kommentieren. Durch diese unterschwellige Geräuschkulisse wurde leider die Wahrnehmung der Zuschauer beeinträchtigt.
 

Dokumenten Information
Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2014
Dokument erstellt am 24.03.2011 um 20:28:13 Uhr
Letzte Änderung am 24.03.2011 um 20:29:13 Uhr

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