Schon im Vorgespräch zum Stück räumt Regisseur Thorsten Weckherlin ein, dass er sich vor lauten Schussgeräuschen auf der Bühne fürchte. Seiner Inszenierung des Krimis "Der Richter und sein Henker" fehlt es an eben solchen packenden Elementen.
Friedrich Dürrenmatt war seinerzeit ein humorvoller Gesellschaftskritiker. In der Inszenierung von Thorsten Weckherlin unterstreichen viele Details seine Späße über sein Heimatland, die Schweiz; so zum Beispiel die Landesflagge, die mitten auf der Bühne je nach Situation unterschiedlich hoch gehisst wird.
Dürrenmatt erscheint den Zuschauern persönlich; sympathisch dargestellt von Philipp Sebastian. Am Rande der Bühne an einem kleinen Tisch sitzend tippt er wie wild in seine Schreibmaschine und kündigt Ortswechsel laut an. Mittig auf der Bühne sieht der Zuschauer dann die Handlung, die Dürrenmatt im Kopf zu produzieren scheint. Dabei sieht er selbst zu, während er an einem Glas Wein nippt, zögert aber auch nicht, als Statist zu fungieren oder Bühnenbilder umzuräumen. Hierbei helfen ihm die Schauspieler, die die anderen Figuren seiner Kriminalgeschichte spielen. Das schafft zeitweise den überraschenden Effekt, dass das neunköpfige Ensemble aus noch viel mehr Personen zu bestehen scheint.
Musikalisch übernimmt Kontrabassist René Lozynski die Interpretation der Atmosphäre und improvisiert Klänge zu den Geschehnissen. Gelegentlich wird ein wahrer Schreibfluss Dürrenmatts erkennbar, wenn sein schnelles Tippen auf der Schreibmaschine mit den Kontrabassklängen rhythmisch harmoniert. Im Hintergrund glänzt Stefanie Obermaier-Staltmeier in den weiblichen Nebenrollen mit wenig Text, aber umso mehr Körpersprache. Andere Figuren präsentieren Slapstick-Elemente, die jedoch nur für wenige Lacher sorgen, weil ihr Handeln vorhersehbar ist.
Vor lauter Details gerät die Handlung fast in den Hintergrund: Kommissar Bärlach weiß um die Täterschaft seines Assistenten Tschanz (überzeugend gespielt von Carsten Caniglia), der seinen besten Kriminalisten Schmied ermordet hat. Doch dem alten und erkrankten Polizisten bleiben nicht mehr viele Dienstjahre, sich am Verbrecher Gastmann zu rächen, dem er einst eine Tat nicht nachweisen konnte. So nimmt er die Rolle des Richters ein, verzichtet auf die Verhaftung von Tschanz und setzt seinen nichts ahnenden Assistenten als Gastmanns Henker ein.
Die Bühnenfassung von Lars Helmer ist von Thorsten Weckherlin erstmals ins Bild gesetzt worden. Die spaßige Inszenierung wird vom Bühnenbild Kay Anthonys gestützt: Er arbeitet mit zwei schwarzen Gerüsten auf beweglichen Achsen, die durch einfaches Drehen verschiedene Schauplätze skizzieren.
Der Charakter Dürrenmatts unterbricht die Handlung an dramatischen Stellen, um sie mit Worten weiter zu beschreiben. Somit fallen die Momente weg, in denen der Zuschauer vor Spannung die Luft anhalten könnte und formen den Theaterabend zu einer leichten, aber liebevollen Hommage an Dürrenmatts Humor.
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