Das Hessische Landestheater Marburg zeigte die Geschichte von Herbert Huber, sehr überzeugend gespielt von Sebastian Muskalla. Der Arbeitslose lebt mit seiner Frau Uschi (sehr sympathisch und ironisch: Oda Zuschneid) zusammen. Im Alltagsstreit geht es immer um Geld und Finanzierung. Herbert möchte seiner Frau nicht mehr auf der Tasche liegen, aber Arbeit zu finden, ist schwer.
Dann stößt er auf eine Marktlücke wie er meint: Herbert will Tuba spielen. "Uschi, kündige schon mal deinen Job, ich verdiene jetzt das Geld", verkündet er, ohne das Instrument je gespielt zu haben. Bald wirft er auch hier die Flinte ins Korn, und ein neuer Streit der Ehepartner eskaliert.
Aus einer unbedachten Überlegung wird bitter komischer Ernst: Herbert kündigt seinen Selbstmord an, und prompt erscheinen Menschen aus allen Bereichen seines Lebens auf der Bildfläche: Ein Polizist, ein Sportler, selbst der Pfarrer; jeder will etwas von seinem Freitod haben. Wenn man sich schon umbringt, dann nicht umsonst, und bald ist auch die Geldfrage gelöst - fehlt nur noch die Leiche.
Hansjög Betschart transportiert das Stück, welches 1928 entstand, in die heutige Zeit, in der Arbeitslosigkeit noch immer eine große Rolle spielt.
Das Bühnenbild besteht nur aus einer Reihe schwarzer Türen, was der Dynamik des Stücks zugute kommt. Die Schauspieler befinden sich bald auch weniger auf der Bühne, als viel mehr im Publikum selbst. Außerhalb des Saals sind die Nebendarsteller zu sehen, die den erwarteten Tod im Stil von Fußball-Fan-Gesängen einfordern: "Auf geht’s, Huber, schieß dich tot."
Zeitweise sitzen die Zuschauer auch alleine im hell beleuchteten Theater, während Huber mit einem Megaphone von außen um den Saal geht. Viel Witz und ein neues Theatererlebnis bot die Inszenierung, immer begleitet durch Blasinstrumente, wobei vor allem die Tuba herauszuhören war. Sie gab einen meist fröhlichen Ton an und erinnerte an die Verfolgungsszenen alter Trickfilme.
Herbert Huber versucht, seinem Tod, der auf 12 Uhr Mittags festgelegt wurde, hinauszuzögern, indem er sich durch eine vollbesetzte Pakettreihe drängt, um jeden noch einmal einzeln zu verabschieden. Seine Anhänger folgten ihm, zum Vergnügen des Publikums.
Schade nur, dass die oberen Ränge weniger von dem Spektakel zu sehen bekamen.
In der Pause predigte der Pfarrer stumm aus der Fremden-Loge. Nach der grandiosen ersten Hälfte sah es im zweiten Teil ein wenig blass auf der Bühne aus. Einen Höhepunkt gab es dann aber doch noch: Herbert Huber unterhielt die Zuschauer mit einer sehr gelungenen 1000-Sekunden-Pantomime, damit er seinen Tod noch ein weiteres bisschen hinauszögern konnte. Letztendlich legte er sich aber doch lebend auf den Sarg und spielte den Toten.
Bei all dem Witz, der manchmal ein wenig albern ausfiel, meist aber genau den Nerv des Publikums traf, kam auch die Ernsthaftigkeit nicht zu kurz. Was will man anfangen in einer Welt, in der nur noch das Geld arbeitet und in dem die Menschen einen Selbstmord inszenieren müssen, um ihre Interessen zu vertreten? Das Stück erinnert daran, wie wichtig Lebensfreude ist und daran, dass Geld nicht von Nutzen ist, wenn man dafür sein Leben opfern muss.







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