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28.03.2011
ANASTASIA LANGER
Einsames Rudeltier

Als Steppenwolf vegetiert Harry einsam und lustlos vor sich hin. Er ist eine der wenigen Persönlichkeiten, die "ins Unbedingte gefunden haben". Die Freude am Leben ging ihm dabei verloren.

Die Bühne ist bei der Aufführung der Bühnenfassung von Hermann Hesses "Steppenwolf" durch das Landestheater Tübingen wie eine "Black Box" gestaltet. Schwarz befleckte, breite Lederbänder hängen von der Decke herab und grenzen den Raum ab. Die Ausstattung von Malte Lübben erzeugt eine beruhigende Weite.

Entsprechend verhält sich Harry Heller introvertiert, seine Stimme ist leise, seine Statur schwach. Doch seine zwiegespaltene Persönlichkeit wird schnell deutlich. Wenn sein Vermieter ihn nach etwas fragt und Harry höflich antwortet, spricht sein innerer Steppenwolf seine wahren Gedanken aus: "Langweilig!". Der Vermieter hört das nicht, denn Harrys Steppenwolf steckt in ihm drin. Er ist sein innerer Kontrast zur Geselligkeit. Gerne würde Harry am bürgerlichen Dasein mehr teilhaben, aber zu sehr unterscheidet er sich von den "Normalos". Daraus folgert, dass er meistens schlechte Laune hat, oft betrunken ist und an Gicht leidet.

Als Autor von kreativen und wissenschaftlichen Texten gerät er gelegentlich ins Erzählen. Seine Gedanken und Beobachtungen werden im Hintergrund in Schattenspielen zu Bildern. Einige Passagen übernimmt Gitarrist Andreas Debatin, der das Geschehen auf der Bühne mit Klängen kommentiert. Und die Punkrock-Songs die er spielt, spiegeln Harrys Vorliebe für revolutionäre Einstellungen wider.

Ob seiner Trostlosigkeit spielt Harry mit dem Gedanken, sich umzubringen. Bis er Hermine trifft. Die lebensfrohe Frau ist Harrys weibliches Innenbild. Sie zeigt ihm, wie man lebt: "Man hat ja keine Zeit zum Frommsein." Denn Leben bedeutet, gegen den Tod zu kämpfen – ein Kampf, den man nicht gewinnen kann. Und doch kämpfen wir. Wenn Harry versucht, eine Diskussion zu beginnen, wird er darauf hingewiesen, dass Reden unglücklich mache. Also gibt sich Harry der neu entdeckten Leidenschaft zu körperlichen Genüssen hin.

Hermines Freunde ermöglichen ihm neue Erfahrungen. Er nimmt Drogen und erlebt einen imaginären Trip, in dem er zu einem Wolf mutiert. Er folgt den Trieben und genießt es. Schließlich brechen seine neuen Freunde das Spiel ab und reißen ihn aus seinen Wahnvorstellungen. Harry ist begeistert: "Ich will noch mal spielen."

Das Landestheater Tübingen gestaltet mit seinem Beitrag einen würdigen Ausklang der 24. Landesbühnentage in Detmold. Hauptdarsteller Martin Maria Eschenbach spielt einen vielseitigen Harry Haller: labil zu Beginn und zunehmend lebensfroh im weiteren Verlauf.

Buchautor Hermann Hesse hat beklagt, dass der ironische Witz in seinem Roman nicht erkannt würde. Regisseur Stefan Rogge gelingt es, diese Ironie zu realisieren.

   

Dokumenten Information
Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2014
Dokument erstellt am 28.03.2011 um 18:48:32 Uhr
Letzte Änderung am 28.03.2011 um 18:51:39 Uhr

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