1927. Krach dröhnt schmerzhaft durch den Saal. Kündigt den nächsten Krieg an. "Hoffentlich wird alles gut", schreit Harry und scheint es sich selbst nicht zu glauben. Harry Haller (Martin Maria Eschenbach) ist ein tragisches Genie. Gespalten in sein gutbürgerliches Ich, welches in einer Gesellschaft funktioniert, die der "Steppenwolf" in ihm zu tiefst verabscheut. Er bleckt die Zähne, wenn er die Heuchelei und Engstirnigkeit der Menschen erlebt.
Erster Weltkrieg, Unmenschlichkeit und Oberflächlichkeit treiben ihn in die Depression. Aus diesem Sumpf von weingetränkten Schreibexzessen und Selbstzerstörung zieht ihn die androgyne Hermine (Jessica Higgins). Sie zeigt ihm, wie man tanzt, liebt, lebt.
Regisseur Stefan Rogge inszeniert den "Steppenwolf" in einem lückenlosen Spannungsbogen.
Das Bühnenbild ist sehr flexibel gestaltet, eine Hand taucht immer wieder aus dem Vorhang auf. Sie nimmt Mäntel entgegen oder reicht hier und da ein Gläschen Wein. Genau wie Harry selbst kann das Publikum im ausverkauften Landestheater irgendwann nicht mehr zwischen Wirklichkeit und Wahnvorstellungen unterscheiden. Drogen spielen dabei durchaus eine Rolle. "Doch das ,Kranke‘ ist als solches in seinem Kopf" sagt Harry Haller.
Vor allem sein psychedelischer, unheimlicher Trip im Magischen Theater wäre ohne Opium und Kokain nicht möglich. Auf diesem trifft er ein ganzes Rudel seiner Persönlichkeiten. "Ich – das ist ein Sternenhimmel. Ein Chaos." Da wäre zum Beispiel diese seltsame Frau, die mit ihrem verrückten Lachen Kälteschauer auslöst. Oder der nicht minder unheimliche Clown, der mit seiner hohen Kreidestimme fragt: "Can I interest you in enjoyable suicide?"
Umrahmt wird das Leben des zersplitterten Publizisten Harry durch Punkmusik. Sie stehe für Widerstandskraft, sei aber auch sehr zerbrechlich, erklärt Stefan Rogge seine Wahl. Perfekt für Hermann Hesses Steppenwolf. Er randaliert und regt sich sehr authentisch auf, aber könnte vor allem eine Umarmung brauchen. Geheilt, oder gar glücklich wird Harry Haller nicht, doch er lernt: Das Leben wird erst erträglich, wenn man es als Spiel akzeptiert. Denn seine Triebe, die Wölfe in ihm, lassen sich nicht immer von seinem gutbürgerlich erzogenen Ich zähmen.
Erschreckend, wie aktuell das Thema des "Steppenwolfs" nach mehr als 80 Jahren noch ist. Es wird laut, immer wieder, und wir könnten immer noch rufen: "Hoffentlich wird alles gut." Das Leben scheint nur erträglich, wenn man es als Spiel betrachtet.







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