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21.03.2011
STINE VOLKMANN
Inszenierung setzt auf den ehrlichen Dialog
VON STINE VOLKMANN

Mit erschreckender Sachlichkeit gewährt "Die Ermittlung" den Zuschauern eine weitgehend neutrale Sichtweise auf Täter und Opfer des Holocaust. "Oratorium in 11 Gesängen" hat Peter Weiss sein Stück überschrieben - ein Oratorium ohne musikalische Begleitung. Die Landesbühne Niedersachsen Nord hat das Stück in der Inszenierung von Eva Lange bei den Landesbühnentagen in Detmold gezeigt.

Auf der Bühne stehen sechs Reihen mit jeweils zehn schwarzen Stühlen. Die Lehnen sind dem Publikum zugewandt. Vier Scheinwerfer sind auf die acht Schauspieler in grauen Anzügen gerichtet: Wir befinden uns in einem Gerichtssaal.

"Die Ermittlung" zeigt das Verfahren der 18 Angeklagten der Auschwitz-Prozesse, die im Frankfurter Landgericht Mitte der 60er Jahre stattgefunden haben. Peter Weiss, selbst jüdischer Herkunft, schrieb das Stück unter Berücksichtigung der Originalprotokolle dieser Verhandlungen. Sein Ziel war es, der Verdrängung der nationalsozialistischen Vergangenheit entgegen zu wirken.

Heute gibt das Stück den Zuschauern einen geschichtlichen Einblick in jene Zeit. Die Angeklagten und Kläger werden von allen Seiten beleuchtet, so intensiv, dass sich der Zuschauer fragen muss, wie er selbst gehandelt hätte.

Die Vorführung zeichnet in acht Gesängen das Leben der Häftlinge im Konzentrationslager nach, von der Ankunft bis zu den Feueröfen.
Die acht Schauspieler schlüpfen abwechselnd in die Rollen von Verteidiger, Staatsanwalt, Kläger und Angeklagtem, so dass das Publikum sich nicht so schnell mit dem Protagonisten identifiziert. Die Gefühle, die ihm die Zuschauer entgegen bringen, bleiben weitgehend neutral.

Dafür schocken die Zeugenaussagen mit grausamer Sachlichkeit. Wichtige Passagen sprechen die Schauspieler im Chor, das betont die Schwere und die Bedeutung der Worte.

Die Opfer berichten von Folter und Ängsten, die sie nie wieder vergessen können. Die Täter suchen Ausflüchte in ihren Aussagen, geben keine klaren Antworten und betonen: "Wir waren doch alle in der Zwangsjacke, gezwungener Maßen" – gefolgt von erschreckendem Gelächter von der Bühne.

Die Darsteller sitzen fast das ganze Stück über mit dem Rücken zum Publikum, um den Eindruck zu erzeugen, das Publikum befinde sich selbst im Gerichtssaal. So sind die Zuschauer unmittelbar betroffen, die Wirkung des Stücks wird gekonnt verstärkt.

"Die Ermittlung" setzt allein auf den ehrlichen Dialog. Es kommt dem Inhalt und der Intention des Stücks zugute, dass keine musikalischen Einlagen oder Requisiten den Prozess künstlich dramatisieren. Noch während des verhaltenen Applauses am Ende halten die Schauspieler mit versteinerten Mienen an ihren Rollen fest.

Dokumenten Information
Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2014
Dokument erstellt am 21.03.2011 um 17:23:35 Uhr
Letzte Änderung am 21.03.2011 um 17:24:16 Uhr

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