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21.03.2011
LISA OORD
Auschwitz im Kopf
VON LISA OORD

Detmold. Wer am Samstag auf der "Zuschauerbank" im zum Gerichtssaal umfunktionierten Landestheater gesessen hat, musste an einigen Stellen sicherlich schlucken. Die Bilder, die die Schilderungen der Zeugen im Stück "Die Ermittlung" im Kopf entstehen lassen, ließen wohl niemanden kalt.

Peter Weiss’ Stück entstand in den 60er Jahren. In einer Zeit in der kaum jemand über die Verbrechen reden wollte, die während des Nazi-Regimes in Deutschland verübt worden waren, diente das Stück zur Aufklärung der Gesellschaft. Es besteht fast ausschließlich aus Originalauszügen der Auschwitz-Prozesse, des Strafverfahrens gegen die Verantwortlichen, in Frankfurt am Main im Jahr 1963.

In elf "Gesängen" werden die belastenden Punkte – angefangen mit "Deportation" und "Schaukel" bis hin zu "Feueröfen" und "Zyklon B" – im Gespräch zwischen Richter, Angeklagten, Staatsanwalt und Zeuge behandelt. In Eva Langes Inszenierung nimmt alles seinen bürokratischen und sachlichen Lauf.

Nicht einmal der unter die Haut gehende Bericht der Augenzeugin über eine Folterung im "Stehbunker" enthielt einen Funken Emotion oder deutete darauf hin, dass sich die Zeugin zu ihrer Aussage überwinden musste. "Es fällt mir schwer, Ihnen in die Gesichter zu sehen": Auch dieser Satz einer anderen Zeugin wirkt abgebrüht, kalt, und verbreitete eisige Sachlichkeit.

Ein weiterer Angeklagte erklärt: "Uns wurde das Denken abgenommen, das taten die anderen für uns." Das gehässige und gruselige Lachen, in das daraufhin alle anderen ausbrechen, unterstreicht die Skrupellosigkeit der Schuldigen.

Die Rollen waren unter den sieben, in graue Anzüge gekleideten Darstellern nicht festgelegt, so wurde mal der Richter zum Angeklagten, mal der Zeuge zum Anwalt. Eine Herausforderung für die Zuschauer: Jeder ist Opfer, Täter und Richter zugleich. Durch diese ständigen  Rollenwechsel sollte bewusst keine Möglichkeit zur Identifikation entstehen.

Die mit dem Rücken zu den Zuschauerreihen ausgerichteten, schwarzen Stühle auf der Bühne sorgten dafür, dass die Zuschauer selbst auf der Zuhörerbank des Gerichts saßen.

Der Landesbühne Niedersachsen Nord gelang es, ihre Zuschauer angesichts der faktischen Kälte und der Ungeheuerlichkeit, die unter die Haut geht, mit einem nachdenklichen und zwiespältigen Gefühl zu entlassen. Im Zeitalter der Politikverdrossenheit und der Mahnmale ist die Rückblende in die Realität von vor 65 beziehungsweise 70 Jahren immer noch ein notwendiger Schock.

Dokumenten Information
Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2014
Dokument erstellt am 21.03.2011 um 17:25:34 Uhr
Letzte Änderung am 21.03.2011 um 18:20:47 Uhr

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