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26.03.2011
EVA EIKMEIER
Öder als Elemente

Ömer Simsek, als Regisseur und Schauspieler der Hauptverantwortliche für diesen Abend, leidet, seufzt, schreit. Er klagt an und macht Angst - so lange bis es nur noch langweilt. Ein Blick über die Schulter: Die Hälfte der Besucher in der hinteren Reihe der Erlöserkirche hat die Augen geschlossen.

Wehmut und Melancholie schwingt durch die gut gefüllte Erlöserkirche. "Ich bin ein Fremder - überall": Erde rinnt aus Ömer Simseks Händen. Auf einmal beginnt er zu schreien. Dann wird seine Stimme bedrohlich, fast psychotisch, manchmal unangenehm salbungsvoll. Die Anklage in seiner Stimme macht traurig. Er reist mit den vier Elementen im Gepäck. Eine Reise durch die Liebe zum Land und durch den Hass der Fremdheit. "Meine treue Geliebte ist die schwarze Erde", brüllt Ömer.

Im Dialog mit diesen bedeutungsschwangeren Vorträgen steht Hamdi Tanses Baglama-Spiel. Mit seiner vollen Stimme singt er vor allem traditionelle Volkslieder auf Türkisch, und manchmal stimmen ein paar Frauen aus dem Publikum mit ein. Doch Simsek schafft es, diesen Anflug von Heiterkeit im Keim zu ersticken. In monotonem Staccato-Rhythmus klagt er das Publikum auf Deutsch an, verständlicher als Tanses ist er deswegen nicht.

Ömers Anspruch scheint zu sein, philosophisch zu wirken und Intellekt zu zeigen - mit Vermittlung türkischer Kultur hat das Stück nichts zu tun. Eine besondere Liebe habe er zu Yunus Emre, dem türkischen Dichter aus dem 13. Jahrhundert, entwickelt, sagt er. Aber seine Botschaft ist für Menschen, denen die türkische Kultur fremd ist, sehr schwierig zu greifen, und Simsek scheint gar nicht zu versuchen, ihnen den Zugang leichter zu machen.

Entspannung für Ohren und Geist bietet das Klavierspiel von Wolfgang Schneider. Seine Finger fliegen über den wohlklingenden Flügel und schenken ab und an Momente der Leichtigkeit.  Doch leider vermisst man auch bei den Instrumentalisten Abwechslung. Auch der türkische Part im Publikum, der sich anfangs begeistert gezeigt hat, scheint nach und nach die Lust zu verlieren. Die Reise, die am Anfang noch etwas Ungewöhnliches und deshalb Fesselndes hatte, nimmt und nimmt kein Ende. Spätestens nach der Pause entwickelt sich eine sehnsüchtige Stimmung - Sehnsucht nach dem Ende.

"Elemente - Ögeler" ist im Prinzip keine schlechte Idee. Und die Produktion hat gute Zutaten: türkische Musik, anspruchsvolle Literatur und drei Männer, die für diese vielschichtige und interessante Kultur brennen. Nur leider ist der Funke nicht übersprungen.

Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 26.03.2011 um 11:27:35 Uhr

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