Das Mecklenburgische Landestheater Parchim erntet für seine Inszenierung von "Frau Müller muss weg" Bravo-Rufe und Applaus. Der Titel ist hier Programm – jedenfalls zeitweise, denn so richtig wissen die Eltern in diesem Stück nicht, was sie wollen.
Laura, Fritz, Lukas und Janine gehen in die 4b. Alles könnte wunderbar sein, wäre da nicht die Lehrerin Frau Müller, die den Eltern dieser Kinder das Leben schwer macht. Denn: "Jetzt werden die Weichen gestellt!" Es entscheidet sich, wer auf das Gymnasium kommt, und wer zu den Versagern auf die Real- oder gar Hauptschule gehen muss. Klar, dass dieser Umstand den Eltern schlaflose Nächte bereitet, und weil die Leistungen trotz elterlicher Ansprüche nicht ausreichen, ist (fast) unumstritten: Frau Müller muss weg! Denn wer sollte sonst Schuld tragen?
Im Elterngespräch soll das Problem gelöst werden. Die Diskussion wird mit allen Mitteln geführt, auch wenn sie manchmal jeder Grundlage entbehrt, so dass sie sich bald zu einem wahren Kleinkrieg zur Rettung der Zöglinge entwickelt. Und das Streitgespräch weitet sich zu einer Grundsatzdebatte über Prinzipien und das für unsere Leistungsgesellschaft typische "Rennen im Hamsterrad" aus.
Thomas Ott-Albrecht inszeniert eine amüsante Satire über Brennpunkte der Gesellschaft. "Es geht doch hier auch um uns, und nicht nur um die Kinder!", verkünden die Eltern im Gespräch mit der Lehrerin. So kommen Konflikte über "Ossis" und "Wessis" genauso zur Sprache, wie die Marotten und Probleme zwischen und von den stereotypen Kleinbürgern.
Da gibt es einen Vater, der vom Leistungsdruck völlig zerfressen ist und seine Tochter mit gutgemeinten Freizeitaktivitäten wie Gehirnjogging terrorisiert. Eine andere Mutter, die es lieber sähe, brächte ihr Kind mal schlechte Noten nach Hause, wenn sie es dafür besser kennen lernen würde.
Und eine Mutter, die trotz des mitgebrachten Sitzkissens vom Kölner Fußballverein nicht heimisch werden will im Osten. Dennoch haben sie alle eines gemeinsam: Ohne so recht zu wissen, was das ist, wollen sie das Beste für ihre Kinder. Und wollen sich alle nicht eingestehen, wer die eigentliche Schuld an so manchen Problemen trägt. Sie greifen zu allen erdenklichen Waffen, und fallen sich schließlich selbst in den Rücken. Die Tasche der Lehrerin wird mehr oder minder bedenkenlos geplündert, und plötzlich sieht alles ganz anders aus: Beim Blick in das Notenbuch erweist sich Frau Müller als "eine Irre, die gute mündliche Noten vergibt". Soll sie also doch bleiben?
Die Schauspieler gehen in ihren Rollen als stereotype Eltern auf. Sie streiten sich um die schönsten Sitzkissen und beugen sich auf ihren Kinderstühlchen vor, wenn Frau Müller zum Reden ansetzt. Wunderbar verkörpert Ulf Perthel den cholerischen Vater von Janine, der – mit Schweißperlen auf der Stirn – nur schwer zur Raison zu bringen ist. Wiebke Rohloff spielt die überzogen feine Westlerin, die am liebsten alles täte, um ihr nerviges Kind durch die Schule zu boxen. Aber auch Sabrina Lössl überzeugt in der Titelrolle als Lehrerin Müller. Und beinahe fühlt man sich selbst als Schüler, wenn die Scheinwerfer angehen und ein gut ausgestattetes Klassenzimmer im Rampenlicht erscheint. Kindermusik untermalt das Geschehen zuweilen und sorgt für eine ausgesprochen gute Stimmung.
Viel Wert legt das Regie-Team darauf, dass es sich bei diesem Stück um eine Satire handele. Dabei scheint es nicht unvorstellbar, dass die Realität dem Dargebotenen gefährlich nahe kommt. Wie auch immer, das Publikum ist zufrieden, bisweilen sogar aus dem Häuschen. Ein gelungener Theaterabend im "Kaschlupp!", der den Zuschauern vor Augen führt, dass Kinder zwar manchmal nerven – aber Eltern eben auch.
stehenden Code hier ein*: