Das Ballettensemble der Landesbühnen Sachsen begeistert mit dem zweiteiligen Tanzabend "Irgendwas bleibt" das junge und junggebliebene Publikum im Sommertheater. Eine Uhr tickt. Ein Lehrer steht vor seiner Klasse. Die Schüler sind wie versteinert, während der Lehrer in anmutigen Bewegungen durch die Stuhlreihen wirbelt. Er schreibt an die imaginäre Tafel, springt um seine regungslosen Schützlinge.
Dann das Erwachen. Die Schüler verfallen in synchrone Bewegungsabläufe, bis sich die ersten dazu entscheiden, gegen den Strom zu schwimmen. Der erste Teil des zweiteiligen Ballettabends des Choreographen Reiner Feistel beschäftigt sich mit dem sozialen Gefüge in einer Schulklasse. Da gibt es die Schülerin, die sich in ihren Lehrer verliebt, genauso wie die anderen Irrungen und Wirrungen der Jugend. Aber auch der alltägliche Stress wird zum Thema. Und zwar zur Musik der deutschen Rock-Gruppe Silbermond.
Als Klangteppich zu dieser Choreographie gefallen die lauten Töne aber selbst jenen, die sonst eher leisere Musik hören. Der Choreograph verbindet die Lieder mit seinen ganz eigenen Geschichten, ohne sie nur zu bebildern. So gewinnen die Texte teilweise eine völlig eigene Bedeutung. Zum Schluss entschließen sich Schüler und Lehrer gemeinsam, gegen den Alltagstrott und gesellschaftliche Konventionen zu kämpfen. So scheint es zumindest, denn vieles bleibt den Augen des Betrachters überlassen. Das klangliche Fundament, um die Geschichte des zweiten Teils zu erzählen, bietet die Musik des Komponisten Arvo Pärt.
Reine Dreiklänge erzeugen eine Musik, die der Komponist selbst mit weißem Licht vergleicht, das erst noch von einem Prisma in seinen Facetten entschlüsselt werden muss. Als dieses Prisma dient an Feistels Ballettabend der Tanz. Hier geht es um die Chronik einer Beziehung: um frische Liebe, Erotik, Entfremdung und Wiederfinden. Verschiedene Lichtstimmungen begleiten als einziges die Geschichte der zwei Tänzer. Auf einer völlig leeren Bühne erschaffen die beiden ihre Welt. Dabei ist ihr Tanz so authentisch, dass es keinem weiteren Beiwerk bedarf. Die Balletttänzer bezaubern: Sie fliegen und fallen, sie wirbeln und versinken in den wunderbarsten Hebefiguren.
Die Schritte werden auf sehr moderne Weise ausgeführt. Dabei wirken sie anrührend, zum Teil sogar so echt, dass es dem Publikum ein Lachen auf das Gesicht treibt. Genau so wie die enorme Lebensfreude ist in beiden Teilen auch die Verzweiflung fast greifbar. Oftmals ist das Bühnengeschehen so fesselnd, dass selbst das Klatschen in Vergessenheit gerät. Am Ende wird dies aber mit tosendem Applaus wettgemacht.
Der Kontrast zwischen erstem und zweitem Teil ist gewollt: "Wir wollen es dem Publikum auch nicht zu einfach machen", erklärt der Choreograph im Vorgespräch. Trotzdem hätte der zweite Teil durchaus etwas länger sein können. So scheint es fast, als orientiere man sich an dem Motto: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Dabei hätte man die auf der Bühne entstehende Schönheit gerne etwas länger festgehalten, am liebsten für immer... Trotzdem. Es ist nicht nur "irgendwas", das von diesem Ballettabend bleiben wird.
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