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28.03.2011
STINE VOLKMANN
Düsteres Schauspiel mit wenig Humor

Auf der Bühne präsentiert sich eine Freak-Show mit traurigen Gestalten. Die Württembergische Landesbühne Esslingen zeigte "John Gabriel Borkman" von Henrik Ibsen. Trotz guter schauspielerischer Leistungen überzeugte das Stück nicht jeden.
  John Gabriel Borkman hat seine Bank mit falschen Geschäften in den Ruin getrieben. Nach einer fünfjährigen Hafstrafe lebt er in einem erdrückenden Haushalt. Seine Frau leidet unter dem verlorenen Reichtum und gibt jedem die Schuld an ihrer Situation - außer sich selbst. Ihre Schwester Ella, die Borkmans Kind Erhart acht Jahre lang großgezogen hatte, kehrt zu der Familie zurück, um den jungen Studenten zurückzufordern.

Sie hat nur noch wenige Monate zu leben und will, dass Erhart ihren Familiennamen weiter trägt.

Das Bühnenbild unterstreicht die Stimmung des Stücks und der Protagonisten. Es zeigt schwarze Wände mit Wasserspiegelungen und weißen Strichen, die Erhart täglich gezogen hat, bis er aus dem Haushalt ausbrechen kann. Die Bühne wirkt wie ein Gefängnis, und die schwarz gekleideten Charaktere sind die Gefangenen ihrer selbst. Eine sehr sonderbare Inszenierung von Alejandro Quintana, der die Schauspieler über die Bühne rollen oder zu Techno-Liedern wild tanzen ließ.

Mitten in der existenziellen Not taucht dann plötzlich das Thema Liebe auf. John G. Borkman hatte eine Beziehung zu Ella, die er beendete, um seine Karriere zu fördern. Noch immer trauern beide dieser Liebe nach. Die Frage nach dem Glück zieht sich durch das Schauspiel und wird von fast allen Charakteren verlacht – bis auf Erhart, der sein Leben endlich selbst in die Hand nehmen will. "Du und Glück? Was ist dein Glück?", fragt seine Mutter. Und Erhart antwortet schlicht: "Meine Liebe."

Die Handlung zieht sich in die Länge, Spannung baut sich nicht auf. Oft gibt es lange Gesprächspausen, in denen die Darsteller regungslos auf der Bühne stehen.

Der Schlüsselsatz in diesem Stück "ich kann das nicht mehr ertragen" dürften sicherlich auch einigen Zuschauern durch den Kopf gegangen sein. Der düstere Hintergrund und die monotonen Stimmen einiger Darsteller führten zu einer bedrückenden, wenn nicht sogar erdrückenden Stimmung.

Als Erhart das Elternhaus schließlich verlässt, bricht das Dach über den Zurückgebliebenen zusammen. Der, an den sie alle geglaubt haben, ist gegangen und lässt nichts zurück. Schließlich erschießt John Gabriel Borkman die beiden Schwestern mit ihrem Einverständnis, wählt selbst aber nicht den Freitod.

Das Lied "Wonderful World" von Louis Armstrong bringt ein wenig Hoffnung in die Trostlosigkeit und gibt dem Stück einen runden Schluss. Die Schauspieler erhielten kräftigen Applaus.

Dokumenten Information
Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2014
Dokument erstellt am 28.03.2011 um 18:53:08 Uhr
Letzte Änderung am 28.03.2011 um 18:53:59 Uhr

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