Kalter, grünschwarzer Stein. So sieht das Haus aus, in dem John Gabriel Borkman begraben ist, seit er aus dem Gefängnis frei kam. Frei? Seine Familie verachtet ihn dafür, den Namen "Borkman" ruiniert zu haben. Denn Borkman, früher bekannter Bankdirektor, wurde für seine Visionen hinter Gitter gesperrt.
Nur wenige Freunde bleiben ihm: die Musik, die Wirtschaftsnachrichten und der Hilfsschreiber Wilhelm Foldal. Doch da Freundschaft hier nur Lüge und Betrug ist, steht Borkman im wahrsten Sinne des Wortes mit den Rücken zur Wand. Eine Fülle von Familienproblemen bricht über ihn herein wie Schnee. Sein Sohn Erhart, der für die Mutter so hoch aufsteigen soll, dass der Schatten des Vaters unsichtbar wird, hat eigene Pläne. Die Schwester seiner Ehefrau, Ella, mit der ihn früher eine Liebe verband, die er ob seiner Karriere aufgeben musste, taucht auf. "Hammerschlag auf Hammerschlag" bahnt sich die Katastrophe ihren Weg...
"Leute in unserer Lage haben etwas anderes zu tun, als ans Glück zu denken", denkt nicht nur Borkmans Frau Gunhild. Trauer und Verzweiflung manifestieren sich in den schwarzen Kostümen der gesamten Familie, fast, als seien sie auf ihrer eigenen Beerdigung. Die Atmosphäre ist bedrückend: Überall herrscht die dunkle Kälte des skandinavischen Winters.
Schnee fällt auf das Haus der Borkmans, rieselt durch Ritzen und Fenster und schließlich, in der Stunde des endgültigen Scheiterns, drückt er das Dach ein. Nur selten leuchten schmale Lichttunnel der Hoffnung auf, in denen die Figuren von ihren Träumen berichten können. Einziger Schimmer am Horizont ist die junge Witwe Fanny Wilton (Beatrice Boca), der Erhart Borkman sein Herz geschenkt hat.
Wie ein Regenbogen durchwandert sie das Familienleben in einem bunten Mantel. Vielleicht beabsichtigt, wirkt sie in ihrer direkten Art aber sehr unhöflich und unangenehm. Den anderen Schauspielern lässt sich eine durchaus gute Leistung attestieren. Besonders Ulf Deutscher verkörpert den Größenwahn der Hauptfigur wohltuend facettenreich.
Doch auch damit lässt sich nicht ändern, dass die Aussage schattenhaft bleibt. Zwar ist das Stück angesichts der Wirtschaftskrise sehr aktuell, jedoch bleibt der Kern, den man erwartet, verborgen. Auch bleibt das Stück schwer verständlich. Die harte Kost begeistert einen großen Teil des Publikums, stößt aber auch auf fluchtartig den Raum verlassende Zuschauer. Möglicher Grund: die Inszenierung von Alejandro Quiantana. Extrem übertriebener Wahnsinn in Form von indianisch anmutenden Tanzszenen zeigt zwar die Verzweiflung der Familienmitglieder, lässt aber den einen oder anderen auch etwas ratlos zurück.
Das gilt auch für das Ende. Zurück in der Kälte des Steinhauses bleiben nur "zwei Schatten und ein Toter", sagt Borkman. Er zieht seine Pistole, richtet sie auf seine Frau und seine Liebe, dann auf sich. Er drückt nicht ab, jedoch sinken die Frauen regungslos nieder. In den Tiefen der Schneewehen bleibt verborgen, ob hier jemand sein Ende findet. Borkman, der bleibt jedenfalls, und wittert die "gefesselten Millionen". Die Hoffnung - auf die im Original und möglicherweise auch hier der Tod durch Erfrieren folgt.







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