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25.03.2011
ANNIKA DEPPING
Mit dieser U-Bahn würde man gerne öfter fahren

Die Linie 1 verbindet den Zoo mit den dunkelsten Orten Berlins. Hier treffen sich die verschrobensten Gestalten, die alle genauso mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen haben wie mit denen der Welt. Das Schleswig-Holsteiner Landestheater zeigt ein wunderbares Gute-Laune-Stück.

Ein Mädchen kommt nach Berlin. Sie sucht ihren Märchenprinzen, den Musiker Johnnie. Der ist nicht zu finden, aber dafür begegnen ihr alle möglichen Menschen, in der U-Bahn oder an Trudes Würstchenbude. Die anfangs sehr tristen und stummen Berliner entpuppen sich im Bäumchen-wechsel-dich-Spiel der Großstadt als wahre Philosophen, die die Medien-Charts auswendig kennen und ihre ganz eigene Meinung zu Politik und Gesellschaft haben. Das Mädchen trifft auf die unterschiedlichsten Lebensvorstellungen - und am Ende auch auf Johnnie. Doch da gibt es auch noch den Mann mit Hut, und eigentlich ist Johnnie vielleicht doch nicht so toll...

Das Bühnenbild erzeugt eine U-Bahn-Stimmung, die authentischer nicht sein könnte: Schmierereien und Graffitis zieren die hellblauen Kachelfliesen. Die Bahn selbst wird durch mobile Holzkisten angedeutet und schnell zur Würstchenbude umfunktioniert. Die Menschen wirbeln durcheinander, bringen das Chaos kurz auf Linie, um daraufhin wieder dem Durcheinander zu verfallen. Schließlich öffnet sich die Mauer des Untergrunds und Johnnie tritt aus ihr hervor: Ein singendes, langhaariges Glitzermonster in Plateauschuhen - damit ist klar: Der ist es nicht!

Das Musical stammt aus der Feder von Volker Ludwig und Birger Heymann und spielt ursprünglich im geteilten Berlin. Die Inszenierung von Katrin Herchenröther setzt aber auf eine Modernisierung. Da fallen Sätze wie: "Die Mauer? Gibt’s denn eine neue?" Und auch Sarrazin und zu Guttenberg bekommen ihr Fett weg. Das tut dem Musical eindeutig gut und sorgt für viele Lacher.

Musical - das ist nicht nur Schauspiel, sondern auch Tanz und Gesang. Die Musik von "Linie 1", an die heutige Zeit angepasst, ist schmissig und farbenfroh. Füße zucken und wippen, man kann den Klängen einfach nicht widerstehen. Die Instrumentalisten spielen live auf der Bühne. Das gesangliche Niveau ist ebenfalls sehr hoch, die Hauptdarstellerin (Nina Mohr) allerdings reicht da nicht heran. Bei den hohen Tönen bricht ihre Stimme einfach weg. Einen wahren Ohrenschmaus hingegen bietet die restliche Truppe. Und so schwirren noch viele Ohrwürmer im Kopf herum, wenn der Theaterabend schon lange vorbei ist.

Die Inszenierung ist voller Bewegung, mit Tanzszenen und Geschaukel im U-Bahn-Gedränge. Bei jedem Halt kippen die Darsteller synchron zur Seite. Das Ensemble zeigt sich sehr vielseitig und spielfreudig. "Verrückt sind wir doch alle ein bisschen!", heißt es, und das zeigen die Schauspieler auf fantastische Weise. Fortwährend schlüpfen sie in neue Rollen - und die verrücktesten Kostüme. Etwa die Wilmersdorfer Witwen (Jürgen Böhm, Manuel Jaude, Michael Kientzle, Nicolas Menze), die, in Pelzmäntel gehüllt, dem Publikum ein Liedchen trällern.
Am Schluss steht sein herrliches Knallbonbon-Happyend. Das Publikum ist begeistert, auch schon während der Vorstellung: Auf vielen Gesichtern liegt ein breites Lächeln, während sich die U-Bahn durch den Großstadtdschungel kämpft.

"Da lernst du, wie das Leben ist!", heißt es im Titellied - und das trifft den Nagel auf den Kopf. Mit dieser U-Bahn würde man gerne öfter fahren.

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Dokument erstellt am 25.03.2011 um 22:08:18 Uhr

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