1A-Punktlandung im Detmolder Landestheater: Die exzellente Aufführung des Musical-Klassikers "Linie 1" durch das Schleswig-Holsteinische Landestheater begeisterte das Publikum - auch mit kleinen Veränderungen und Modernisierungen.
Nebel wabert über die Bühne, umspielt die Akteure und verliert sich, zeitlos, in den Publikumsrängen. Gedämpftes Licht beleuchtet schummrig die Szenerie, an zwei Betonpfeilern lehnen zwielichtige Gestalten, werfen flüchtige Blicke um sich. Langsam tritt ein Mädchen auf, verunsichert blickt sie sich um, sie wirkt verloren. Noch ein paar Schritte mehr, und sie steht am Ende der Bühne, am Anfang ihrer Geschichte Tief atmet sie ein, nun umspielt doch ein Lächeln ihre Mundwinkel. Die Musik, die bisher nur im Hintergrund leise und zurückhaltend wirkte, schwillt immer mehr an, sucht sich ihren Platz im ausverkauften Theater. Freudig greift sie nach dem Mikrofon, das Licht wechselt ins Farbenfrohe, die Musik ist ausgelassen - das Dorfmädchen ist in der Metropole Berlin angekommen.
Die Suche nach dem Glück, darum geht es in dem Kult-Musical von Volker Ludwig und Birger Heymann, welches schon seit 24 Jahren zu den beliebtesten deutschen Musicals zählt. "Das Mädchen vom Lande" sucht ihren Traumprinzen, den Rocker Johnnie, welcher in ihrem Heimat-Kaff ein Konzert gab und mit ihr die Nacht verbrachte. Als sie merkt, dass sie nicht mehr allein in ihrem Körper ist, begibt sich das Mädchen auf die Suche nach dem Musiker. Diese Suche führt sie nach Berlin.
Verwirrt und wie vor den Kopf geschlagen irrt sie durch die Stadt, ihr Gemüt, das Dorfleben gewohnt ist, scheint nicht recht zu dem schnellen Leben in der Stadt zu passen. Als sie auf den "Drogenberater" Bambi trifft, der ihr seine Hilfe anbietet, sieht sie wieder Hoffnung. Doch gerade in den Fahrten der U-Bahn-Linie 1 wird ihr bewusst, wie sehr sie sich nach Normalität und Ruhe sehnt, das rasante Leben passt nicht zu ihr. Auch ihr heimlicher Verehrer, "der Junge mit Hut", macht es ihr schwer, eine Entscheidung zu treffen, und als sie bemerkt, dass Johnnie, der Rocker, nur mit ihr spielt, verliebt sie sich zu guter Letzt in den Hut tragenden Jungen.
Die Schleswig-Holsteinisches Landestheater und das dazugehörige Sinfonieorchester nahmen sich dieses Berliner "Großstadt-Musicals" an und setzten es sensationell um. Die Schauspieler des Theaters boten hochkarätige gesangliche Leistungen, gerade in den Passagen, in denen sie als Gruppe geschlossen auftraten. Schnelle und wilde, zuweilen auch leise und gefühlvolle Gesangsstücke - alle waren sehr gut interpretiert. Schade nur, dass dem "Mädchen" (Nina Mohr) gerade an den hohen, lauten Stellen oft die Stimme versagte oder auch brach.
Das spartanische, doch gerade deshalb sehr ansprechende Bühnenbild harmonierte gut mit der Inszenierung des Stückes. Da es auf der Bühne meist sehr wild zuging, brachten die Requisiten die erforderliche Ruhe hinein. Aktuelle Bezüge - etwa, wenn Sarrazin zitiert wird oder vom homosexuellen Bürgermeister die Rede ist - bringen einen Extra-Portion Witz ins Stück.
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