Die Vorstellung der Badischen Landesbühne Bruchsaal wirft einen kritischen Blick auf die Lebensbedingungen in unserer Leistungsgesellschaft – mit Esprit und vor allem einer gehörigen Portion schwarzem Humor.
Im ausverkauften Grabbe-Haus in Detmold feierte die herrliche Wirtschaftssatire "Otto der Großaktionär" eine gelungene Aufführung. Das Buch stammt aus dem Nachlass von Gisela Elsner und wurde von ihr in den 80er Jahren fertiggestellt, doch erst 2008 veröffentlicht. Es erzählt die Geschichte von Otto Rölz, den seine Freunde liebevoll "Otto den Großaktionär" rufen, da er stolzer Besitzer von fünf Aktien des "Fata"-Chemiekonzerns ist und sich vor seinen Freunden damit brüstet.
Obwohl Otto seit einem Jahrzehnt ausschließlich als so genannter "Tierpfleger" arbeitet (tatsächlich vernichtet er Tiere) und noch nie auch nur ein Wort mit den Herren aus der Chefetage gewechselt hat, betrachtet er sich als Miteigentümer der Firma und beginnt sogar, den Lebensstil des Direktors zu imitieren.
Immer wieder greifen Gerüchte um sich: In Trakt C, welcher auch liebevoll "Auschwitzl" genannt wird, sollen Versuche an Affen, Hunden und Kühen vorgenommen werden – und diese sind nun wirklich nicht als Ungeziefer zu betrachten. Doch was auch geschieht, Otto verliert seinen Glauben an seine Vorgesetzten nicht.
Die Umstrukturierung der Firma und die energischen, gewalttätigen Proteste der Tochter des Direktors haben Arbeitszeitverkürzungen zur Folge. Alle Arbeiter sind davon betroffen und tragen sich – um sich ein Zubrot zu verdienen – als Testpersonen für ein "harmloses" Gas ein, welches gegen Terrorristen eingesetzt werden soll.
Nach etlichen Anwendungen wird Otto gefeuert und versucht nun, vom Arbeitsamt einen Job zu ergattern – das ist nicht leicht, da er mit den gesundheitlichen Folgen der Gas-Behandlungen kämpft. Am Ende des Stückes bleibt Otto, der Großaktionär, auf der Strecke – ohne eine einzige verbliebene Aktie, versteht sich.
Zum Leben erweckt wurde dieses Stück durch die großartige Inszenierung von Carsten Ramm. Toll auch das Bühnenbild von Ines Unser: Durch den kreativen Einsatz eines drehbaren Baustellen-Containers, der sich entweder als Chemiekonzern oder als gemütliche Kneipe mit den Namen "Das Tröpfchen" präsentierte, wurden lange Umbaupausen vermieden. So verlor das Schauspiel nie seine Lebhaftigkeit.
Besonders hervorzuheben ist die gemeinsame schauspielerische Leistung, da die Inszenierung gerade für die Darsteller viele Tücken bereit hielt. Es dominierten Passagen, in denen die Schauspieler von sich in der dritten Person reden mussten, aber auch die Szenen, in denen lange Sprechphasen zunächst chorisch begannen und plötzlich von einzelnen Darstellern alleine fortgesetzt werden mussten.
Amüsant, aber doch kritisch: "Otto der Großaktionär" vereinigt diese beiden Eigenschaften, so dass der Zuschauer immer wieder in Situationen kommt, in denen er nicht weiß, ob er jetzt wirklich lachen darf. Schwarzer Humor trifft auf knallharte Realität.
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