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22.03.2011
DETMOLD
Theater der Altmark sprengt mit "Anatevka" die Bühne

Musiktheater auf der Guckkasten-Bühne: Manfred Ohnoutka als Milchmann Tevje agierte grandios. Die in Rahmen gefasste Figuren mischten sich bei Bedarf ins Spiel. | Foto: Theater der Altmark/Löschner

Detmold (Nv). Ausverkauft! Das Musical "Anatevka", seit 47 Jahren erfolgreich auf den Bühnen der Welt, landete am Sonntagabend, 20. März, im Landestheater. Dargeboten wurde es während der Landesbühnentage vom Theater der Altmark.

Im russischen Dorf Anatevka klammern sich die Bewohner an ihre Tradition, während das Ende des Zarenreichs bereits seine Schatten über die kleine Gemeinde wirft. Denn ohne das Festhalten an alten Sitten und Gebräuchen wäre das Leben genau so unsicher wie der Fiedler auf dem Dach, der Anfang und Ende der Geschichte markiert. Das sagt die Zentralfigur des Stücks, der Milchmann Tevje, grandios verkörpert von Manfred Ohnoutka, einem wahren Theatertier.

Die Idee der Tradition, die leicht in Nostalgie umschlagen kann, greift Intendant Dirk Löschner, den Detmolder Bühnen langjährig verbunden, in seiner Inszenierung auf. Sie hält gekonnt die Balance zwischen den turbulenten Auftritten des in jeder Hinsicht starken Chores und anrührend authentisch wirkendem Musiktheater. Christopher Melching hat dafür eine Guckkasten-Bühne geschaffen, deren in Rahmen gefasste Figuren sich bei Bedarf ins Spiel mischen. Zur stimmungsvollen Atmosphäre liefert das von chassidischer Folklore inspirierte Quintett in Klezmer-Besetzung die passenden, von Gero Wiest arrangierten Klänge.

Lebensfreude trotz ärmlicher Lebensumstände zeichnet die Personen aus. Doch dann und wann führt Tevje einseitige Dialoge mit seinem Schöpfer: "Wir sind das auserwählte Volk. Aber könntest du nicht auch mal ein anderes auswählen"? Auch in seiner eigenen kleinen Welt machen sich die Vorboten eines allgemeinen Umbruchs bemerkbar. Die heiratsfähigen Töchter (eindrucksvoll: Anne Noack und Ico Benayga)  verzichten auf die Verkupplung durch die raffgierige Vermittlerin und wählen sich zum Entsetzen von Vater und Mutter Golde (überzeugend: Tabea Scholz) ihren Partner selber. Da muss der von Tevje anvisierte reiche Fleischer Lazar (prächtige Lachsalven: Mathias Kusche) schließlich klein beigeben.

Kleine Seitenhiebe auf eine allzu penible Talmud-Auslegung beleben diese Inszenierung ebenso wie Traumsequenzen mit gruseligen Geister-Erscheinungen. Doch das bittere Ende ist unausweichlich. Die Bewohner müssen ihr Schtetl binnen drei Tagen verlassen und zerstreuen sich in alle Winde. Nach 25 Jahren fragt sich das Ehepaar Tevje nicht mehr, ob es Liebe war und ist. Ein gemeinsames Schicksal schweißt sie zusammen. "Was war hier schon los?," fragt Mutter Golde am Ende. Doch das Mini-Universum stand  für die jetzt unwiederbringlich verlorene Heimat.

Hier finden Sie weitere Berichte zu den Landesbühnentagen.

Dokumenten Information
Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2014
Dokument erstellt am 21.03.2011 um 19:52:13 Uhr
Letzte Änderung am 22.03.2011 um 12:11:48 Uhr

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