Mittwoch, 01.10.2014
| RSS | Mediadaten | Kontakt | Newsletter


28.03.2011
DETMOLD
Beeindruckend modern: Landesbühne Radebeul zeigt selten gespielte "Faust"-Oper von Louis Spohr
VON ILSE FRANZ-NEVERMANN

Der Lenker im Hintergrund | Foto: Hagen König

Detmold. Mit höllischer Hilfe erreicht ein Mann den Gipfel seiner Karriere. Und fällt am Ende tiefer als je zuvor. Die Rede ist von Faust, vertont von Louis Spohr und am Freitagabend aufgeführt im Landestheater.

Die selten gespielte Oper des seinerzeit gefeierten Komponisten und Violinisten Louis Spohr hat immerhin den Beginn des romantischen Zeitalters im deutschen Operngeschehen markiert. Im Jahre 1816 wurde sie in Prag durch Carl Maria von Weber uraufgeführt. Als Basis des Geschehens dient das alte Volksbuch von Doktor Faustus. Doch in dem recht unbeholfen zusammen gestoppelten Libretto voller Ritter- und Schauerromantik steckt eine brisante Geschichte.

Sie hat Horst Otto Kupich in seine gegenwartsbezogene Inszenierung übertragen, die die Landesbühne Radebeul im Rahmen der Landesbühnentage am Samstag zeigte. Erfreulicherweise verzichtet Kupich dabei auf Holzhammer und erhobenen Zeigefinger.

Aus den Katakomben, wo Sex und Suff regieren, steigt ein Mann mit höllischer Hilfe zuerst in eine Stadt auf, in der die Natur bereits mit Maschinen und Bausünden wetteifert. Er landet schließlich in den glitzernden Chefetagen des Geldadels. Das sind eindringliche Bilder, geschaffen von Stefan Wiel und durch silbergrau gekleidete Hexen und graue Herren mit Aktenkoffern belebt (Kostüme: Ella Späte).

Die nächste Marionette der Macht steht schon bereit

Die Gier nach Macht und Geld macht Faust und seine stimmgewaltigen Zechkumpane mehrfach zu Mördern. Doch im Hintergrund lenkt Mephistopheles unbemerkt die Geschicke. Die beiden Protagonisten erhielten durch Norman D. Patzke und Hagen Erkrath stimmlich und darstellerisch starke Konturen. Ihnen zur Seite standen mit reichhaltiger Ausdrucksskala das liebende, einfache Mädchen (Judith Hoffmann) und die zum Statussymbol avancierte Geliebte (Anna Erxleben). Beeindruckend gelangen die Ensembleszenen des groß besetzten Chors.

Unter der musikalischen Leitung von Michele Carulli wurden die differenziert-farbige Klanglichkeit und die reiche, oft von Chromatik durchsetzte Harmonik von Spohrs Musik lebendig. Wiederholt werden die Personen durch eigene Tonfolgen charakterisiert - Vorgänger des späteren Leitmotivs von Richard Wagner.

Am Ende steht die klassische Höllenfahrt. Doch auf dem Chefsessel hat schon eine weitere Marionette der Macht Platz genommen, die sich bereitwillig von Mephistopheles, ihrer eigenen dunklen Seite, lenken lässt.

Dokumenten Information
Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2014
Dokument erstellt am 28.03.2011 um 00:20:41 Uhr
Letzte Änderung am 28.03.2011 um 18:30:09 Uhr

WAS MEINEN SIE? SCHREIBEN SIE IHRE MEINUNG



Sicherheitscode:

Bitte geben Sie oben
stehenden Code hier ein*:


*Pflichtfelder





Anzeige

Rezensenten

Bastian Bühler
17 Jahre, Horn-Bad Meinberg
Gymnasium Horn-Bad Meinberg

"Da ich selbst aktiv auf der Bühne stehe, möchte ich gern die "andere Seite" kennen- und verstehen lernen – diejenigen, die über Auftritte schreiben, die Leistungen vernichten oder für gelungen erklären."


Annika Depping
17 Jahre, Detmold
Stadtgymnasium Detmold

"Ich habe Spaß am Theater, habe bereits ein Praktikum als Ausstatterin absolviert und schreibe gerne."


Eva Eikmeier
17 Jahre, Bad Salzuflen
Rudolph-Brandes Gymnasium

"Theater fasziniert mich und ich schreibe sehr gerne: Eine Kombination aus beidem kann ich mir doch nicht entgehen lassen!"


Sarah Giulia Köhne
17 Jahre, Bad Salzuflen
Rudolph Brandes Gymnasium

"Ich interessiere mich für den Beruf der Journalistin und setze mich gern näher mit Theater auseinander."


Anastasia Langer
18 Jahre, Detmold
Gymnasium Leopoldinum

"Ich möchte gern die professionelle Kritikform erlernen und einen Einblick in den Beruf des Journalisten bekommen."


Camilla März
16 Jahre, Detmold
Stadtgymnasium Detmold

"Ich interessiere mich für Journalismus und möchte antesten, ob dieser Beruf vielleicht etwas für mich wäre."


Charlotte Möller
15 Jahre, Detmold
Grabbe-Gymnasium

"Mich interessiert das Medium Zeitung, deshalb dachte ich, ich probiere das einfach mal aus."


Lisa Oord
19 Jahre, Lemgo
Marianne-Weber Gymnasium

"Ich möchte durch eine intensive Auseinandersetzung mit den Theaterstücken meinen kulturellen Horizont erweitern und neue Denkanstöße erhalten."


Laura Antonia Schüring
18 Jahre, Lage
Gymnasium Lage

"Ich möchte gern testen, ob Journalismus aus beruflicher Sicht etwas für mich ist."


Judith Sieling
16 Jahre, Detmold
August-Hermann Francke-Gymnasium

"Ich habe Interesse am Schreiben und am Theater und sehe den Workshop als eine neue Herausforderung."


Stine Volkmann
19 Jahre, Detmold
Geschwister-Scholl-Gesamtschule

"Ich interessiere mich für Theater, schreibe gern und möchte Erfahrungen sammeln, da ich Journalistin werden möchte."


Stefanie Bertram
Theaterpädagogin

Andreas Beckschäfer
Freier Journalist