Kanadisches Ehepaar auf Spurensuche in Augustdorf

Cordula Gröne

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War als Kind in Augustdorf: Sandra Howard aus dem kanadischen Vancouver zeigt alte Aufnahmen. - © Cordula Gröne
War als Kind in Augustdorf: Sandra Howard aus dem kanadischen Vancouver zeigt alte Aufnahmen. (© Cordula Gröne)

Augustdorf. Die Kanadierin Sandra Howard ist auf den Spuren ihrer Lebensgeschichte gewandelt. 70 Jahre ist es her, dass die gebürtige Lettin die Sennerandgemeinde als Fünfjährige verließ. Damals als Flüchtlingskind.

Sie lebt heute in Vancouver, ihr Sohn mit Frau und drei Enkeln jedoch in Frankfurt. „Ich möchte, dass meine drei Enkelkinder etwas über meine Geschichte und die lettische Tradition erfahren", erklärt die sympathische ältere Dame auf Englisch, als sie im Augustdorfer Bürgerzentrum auf Spurensuche ist. Mitgebracht hat sie ein Fotobuch, in dem Bilder aus ihrer frühesten Kindheit zu finden sind – auch aus Augustdorf.

Ihre Familie war nach dem Zweiten Weltkrieg aus Lettland geflüchtet und landete in Flüchtlingsheimen an der Leopoldstraße in Detmold sowie in einer der Baracken in Augustdorf. „Es war sehr hart", erzählt Sandra Howard und erwähnt das Essen. Aber sie hätten Fußball und Schach gespielt. Während ihr Vater im „Camp A" arbeitete, besuchte das Mädchen eine kleine Schule für lettische Kinder. Nach etwa zwei Jahren verließ die Familie Augustdorf und reiste über Belgien in ihre heutige Heimat Kanada.

Das Ehepaar Howard besucht in diesen Wochen nicht nur die Familie, sondern will auch am 70. lettischen Sängerfest in Eßlingen teilnehmen. Dort hatten vor sieben Jahrzehnten rund 6000 Letten Zuflucht gefunden; viele lebten als „displaced Persons" in verschiedenen deutschen Städten.

„Die größte Gruppe unter den baltischen Flüchtlingen in Augustdorf bildeten die Letten mit etwa 300 Menschen", weiß der gebürtige Augustdorfer und frühere Heimatvereinsvorsitzende Bodo Diekmann zu berichten. Sie hätten es binnen kurzer Zeit verstanden, die wichtigsten Posten im Lager mit ihren Leuten zu besetzen, so im Sekretariat des Kommandanten, im Verpflegungsdepartement, in der Lagerverwaltung. „Sie hatten eine eigene Zeitung und eine Schauspielgruppe, die auch in anderen Lagern gastierte", erzählt Bodo Diekmann.

Die Flüchtlinge hätten das Kantinenwesen und die Läden auf genossenschaftlicher Grundlage organisiert. Das lettische Gymnasium, das sich konstituierte, sei von dem Oberstudiendirektor Dreimanis aus Riga geführt worden, so dass diese etwa 16 Schüler ohne weiteres später den Anschluss an die hiesigen höheren Schulen gefunden hätten, weiß der Augustdorfer. Nach Auflösung des Lagers seien viele in die neu entstandene Sennestadt oder auf den nordamerikanischen Kontinent übergesiedelt.

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