Deutsche Eier werden in der Adventszeit knapp

Andrea Frühauf

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Während der Vorweihnachtszeit werden in den Supermärkten weniger deutsche Eier zu finden sein. - © picture alliance / Frank May
Während der Vorweihnachtszeit werden in den Supermärkten weniger deutsche Eier zu finden sein. (© picture alliance / Frank May)
Auch der Welthandel bestimmt die Preise von Nahrungsmitteln. Die Landwirte Hubertus Beringmeier, Herbert Quakernack und Wilhelm Brüggemeier (v. l.) vor einer Weltkugel. - © Wolfgang Rudolf
Auch der Welthandel bestimmt die Preise von Nahrungsmitteln. Die Landwirte Hubertus Beringmeier, Herbert Quakernack und Wilhelm Brüggemeier (v. l.) vor einer Weltkugel. (© Wolfgang Rudolf)

Verbraucher, die in der Adventszeit zum Backen deutsche Eier wünschen, sollten sich frühzeitig um regionale Erzeugnisse bemühen, rät Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes OWL. Zwar erwartet er keine flächendeckenden Versorgungsengpässe. „Aber deutsche Erzeuger können nur rund 70 Prozent der heimischen Nachfrage decken", erläutert der Landwirt aus Hövelhof. 

Neben der wachsenden Nachfrage vor Weihnachten verknappten auchdie Auswirkungen des Fipronil-Skandals, bei dem im Sommer Millionen Eier mit Rückständen des gleichnamigen Insektizids belastet waren, das Angebot. „In Belgien und den Niederlanden sind weiterhin viele Legehennen-Betriebe gesperrt."Deutsche Erzeuger kassieren nach seinen Angaben statt 8,9 jetzt 14 bis 16 Cent pro Ei.

Furcht vor sinkenden Milchpreisen

Beringmeier spricht insgesamt von einem zufriedenstellenden Jahr für Landwirte. Der Milchpreis, den etwa die Molkerei Deutsches Milchkontor zahle, habe sich seit Sommer 2016 bis zum November 2017 auf 40 Cent verdoppelt. Wegen des erhöhten Volumens in Europa („Polen, Irland und die Niederlande haben deutlich mehr Milch geliefert") befürchtet Beringmeier aber im nächsten Jahr wieder sinkende Milchpreise.„Bei 33 Cent wird es wieder eng."

Insgesamt 375.000 Tonnen Magermilchpulver lagern seit Ende 2016 in Europa. „Davon wurden in diesem Jahr nur 220 Tonnen abgebaut", ergänzt Wilhelm Brüggemeier, Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Wäre mehr Magermilchpulver auf den Markt gekommen, hätte sich der Milchpreis nach seinen Angaben weniger gut erholt.

Kritik wegen "Selbstjustiz" der Tierrechtler

Beringmeier rechnet bei den Schweinehaltern in OWL mit einem Strukturwandel, den er nicht nur auf vermehrte Umweltauflagen und Ängste vor der afrikanischen Schweinepest zurückführt. „Die kann hierzulande an Rastplätzen durch weggeworfene Wurstbrote von Lkw-Fahrern aus Tschechien auf Schwarzwild übertragen werden und damit auch auf Hausschweine." Grund seien auch Stalleinbrüche von kleinen Gruppen aus der Tierrechtler-Szene. „In OWL werden fast keine Schweineställe gebaut." Die Zahl der Schweinehalter werde 2018 weiter auf unter 2.000 (2010: 2.774) sinken.

Der Landwirt bezweifelt, dass die nächtlichen Aktionen der Tierrechtler dem Tierwohl dienten. „Dann hätten sie jeden entdeckten Fall sofort dem Veterinäramt melden müssen." Dies sei aber erst Wochen später geschehen. Brüggemeier erzürnt: „Das ist Selbstjustiz." Regelmäßige und unangekündigte Kontrollbesuche übernähmen Behörden.

Angst vor mangelnder Hygiene von Einbrechern

Familien von Landwirten hätten inzwischen Angst vor nächtlichen Einbrechern. Zudem sorgten sich die Landwirte, die die Antibiotika-Vergabe in ihren Schweineställen drastisch gesenkt und Desinfektionsschleusen installiert haben, um mangelnde Hygiene von Einbrechern.

Beringmeier, der im Internet per Webcam Einblick in seinen Stall gibt und mit Usern im Netz kommuniziert, wünscht sich, dass weitere Bauern seinem Beispiel folgen. Er betont: „Es gibt bei Hunderten Schweinen immer einzelne kranke Tiere, die getrennt und tierärztlich versorgt werden müssen."

Immer mehr Teilnehmer  bei der Initiative Tierwohl

Die Zahl der Schweinemastbetriebe aus OWL, die sich an der Initiative Tierwohl beteiligen, ist nach Verbandsangaben von 79 auf 142 gestiegen. Bundesweit profitierten in der zweiten Stufe (2018 bis 2022) insgesamt 26 Millionen Schweine (Anteil: etwa 20 bis 30 Prozent) von zehn Prozent mehr Fläche und mehr organischem Beschäftigungsmaterial.

Landwirte erhalten für die Mehrkosten pro Tier 6,25 (vorher 4) Cent.Große Lebensmitteleinzelhändler wie Aldi, Edeka, Lidl, Real und Rewe stellen dafür mehr Geld bereit. „Am Ende bezahlen dies die Verbraucher."

Information

Schwierige Wetterverhältnisse für den Getreideanbau

  • Trockenheit und seit der Erntezeit viel Regen hat den Getreidebauern in OWL „unterdurchschnittliche Erträge und Qualitäten" beschert. Die Preise liegen unter dem fünfjährigen Mittel. Getreide aus Russland und der Ukraine bietet bessere Qualität.

  • Die Böden sind so nass, dass 15 bis 20 Prozent der Weizenfläche noch nicht bestellt sind. Bei der Wintergerste konnten 5 bis 10 Prozent nicht ausgesät werden.

  • Bei Kartoffeln gab es eine gute Ernte bei durchschnittlichen Qualitäten. Etwa ein Prozent der Flächen konnte wegen der Nässe nicht geerntet werden.

  • Bei Zuckerrüben, die zwei Zuckerfabriken in OWL verarbeiten, entfiel die EU-Quote. Die diesjährige Ernte ist überdurchschnittlich gut.

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