Offene Bühne in "Wenzel's Ratsstuben" in Augustdorf

Till Sadlowski

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Illustriert seine Gedichte: Adalbert Dittrich zeichnet seinen steten Begleiter, den Vogel Hugo Sevenheart. - © Foto: Till Sadlowski
Illustriert seine Gedichte: Adalbert Dittrich zeichnet seinen steten Begleiter, den Vogel Hugo Sevenheart. (© Foto: Till Sadlowski)

Augustdorf. Es verlangt einen ersten Schritt und noch viele weitere, bis man den Fuß auf die Bretter setzen kann, die die Welt bedeuten. Die „Offene Bühne" in „Wenzel’s Ratsstuben" bietet seit November jeden zweiten Donnerstag im Monat allen Künstlern, die willens sind, eine Plattform.

Jungen Schaffenden, die Bühnenerfahrung sammeln wollen, Erfahrenen, die neue Anhänger suchen oder Kreativen – ihnen allen hat Initiator Michael Casel wieder eine Plattform gegeben. Am Donnerstagabend fand die Veranstaltung zum dritten Mal statt, und Casel freut sich über das zunehmende Interesse. „Jedes Mal wird der Raum etwas voller", sagte der Augustdorfer. „Wer sich bei uns vorher anmeldet, der bekommt eine Auftrittsgarantie."

Das Gitarrenduo „Marcel & Tobias" legte die Messlatte für den Abend hoch. Ihre instrumentalen Interpretationen von Meistern wie Django Reinhardt und Saitenhexern wie Tommy Emmanuel blieben nicht nur ambitioniert, sondern bewiesen das technische Talent des Duos aus Lemgo. „Das ist doch mal ein Opener", frohlockte Michael Casel und rief zu Spenden für die Künstler auf. Da er für die „Offene Bühne" keinen Eintritt verlange, versucht er so etwas Geld für die Künstler zu generieren.

Fortgeführt wurde der Abend von Adalbert Dittrich. Der Lemgoer befleißigte sich gleich in zwei kreativen Feldern: der Dichtung und dem Zeichnen. Während er seine eigenen Gedichte rezitierte, die von unterhaltsamen kleinen Figuren wie Watt, dem Wattwurm und Stanislaus, der Laus handelten, illustrierte er diese mit kleinen flinken Skizzen. Den Zeichenstift ließ er nur ruhen, wenn seine Lyrik von seiner tiefen Religiosität übermannt wurde.

Einen lyrischen Ansatz verfolgte auch Jürgen Hornung. In der Tradition der Folkmusik der frühen 1960er sang er über die Mysterien des Lebens und zwischenmenschliche Erfahrungen. Mit Akustikgitarre und Blues-Harp ausgestattet, drängte sich der Vergleich unweigerlich auf. Nach Hornung war die Bühne für spontane Aufführungen freigegeben, die an diesem Abend allerdings niemand wahrnehmen wollte.

Veranstalter Michael Casel war mit dem Abend dennoch sehr zufrieden. „Es würde mich freuen, wenn mehr Leute noch den Mut fänden. Manchmal muss ich selber noch einspringen", sagte der Hobbymusiker. „Ich habe lange betteln müssen, damit wir das hier machen können." Man habe sich mit der Ratsstube extra auf Donnerstag geeinigt, in der Hoffnung, dass noch einige der stationierten Soldaten, die unter der Woche da sind, vorbei kämen. „Wer weiß, was da noch für Talente schlummern", grinste Casel in der Hoffnung auf weitere Zuhörer.

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