Tablets im Unterricht: Gesamtschule Aspe erobert digitales Neuland

Nach einem Jahr Planungszeit beginnt in Aspe der probeweise Einsatz von iPads im Unterricht des achten Jahrgangs

Stefan Backe

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Eine flache Angelegenheit: Die Schüler Luis Josupeit, Nina Bauer und Lukas Meier (sitzend von links) probieren erste Einsatzmöglichkeiten der iPads aus. Lehrer Gordon Gröne begleitet sie dabei. - © Lütkehölter
Eine flache Angelegenheit: Die Schüler Luis Josupeit, Nina Bauer und Lukas Meier (sitzend von links) probieren erste Einsatzmöglichkeiten der iPads aus. Lehrer Gordon Gröne begleitet sie dabei. (© Lütkehölter)

Bad Salzuflen/Werl-Aspe. Heft, Stift, Tafel, Kreide – alles überflüssig? Auf keinen Fall. Aber die Gesamtschule Aspe schickt sich an, einen Meilenstein beim digitalisierten Lernen zu setzen. 32 iPads sollen neue Möglichkeiten für die Jugendlichen bieten. Das Zentrum für Bildung, Medien und Beratung des Kreises verfolgt das Projekt mit Interesse.

Zwar gibt es bereits einige Schulen in Lippe, bei denen Laptops oder andere Tabletcomputer zum Einsatz kommen. Die Gesamtschule Aspe ist jedoch nach eigener Aussage die erste im Kreis, die die Arbeit mit iPads konzeptionell in den Unterricht integriert. Zu verdanken haben die Schüler dies Gordon Gröne. Der Lehrer hatte sich im März 2015 bei einer Fortbildung mit dem Einsatz von iPads beziehungsweise Tablets im Unterricht beschäftigt. Seine begeisterten Berichte führten zur Gründung einer Zukunftswerkstatt, bei der ein Lehrerteam innovative Ideen für das Lernen diskutierte.

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Kleine Alleskönner ohne Tastatur

Verschiedene Hersteller bieten mittlerweile so genannte Tabletcomputer an. iPad ist der Markenname des amerikanischen Herstellers Apple. Anders als bei normalen Computern gibt es bei Tablets kein Zeigegerät, das einen Mauszeiger über den Bildschirm bewegt. Die Bedienung erfolgt mit den Fingern des Nutzers, die dabei auf dem
berührungsempfindlichen Bildschirm unterschiedliche Funktionen auslösen können. Eine virtuelle Tastatur wird – wenn nötig – am jeweils unteren Bildschirmrand eingeblendet. Eine externe Tastatur kann aber angeschlossen werden. Die kleinen Tablets punkten mit ihrer Multifunktionalität: Zugang zum Internet, Gebrauch als Videokamera, Videoplayer, Fotokamera, Audioplayer, elektronisches Schulbuch, Mappe oder Schulheft, Taschenrechner, Overheadprojektor, Datenspeicher, Atlas, Kalender oder Notizblock.

„Für die Umsetzung war es zunächst wichtig, alle Beteiligten und Interessierten, Kollegen und auch Eltern aufzuklären, dass die Benutzung von iPads im Unterricht nicht den gewohnten Unterricht ersetzen soll, sondern eine zusätzliche Möglichkeit darstellt, schnell auf Informationen zurückzugreifen, Gelerntes anschaulich darzustellen und zu präsentieren, und viele Chancen durch diverse Apps für das individuelle Fordern und Fördern bietet", betont Cornelia Scherer, didaktische Leitung der Gesamtschule Aspe.

Nachdem Gordon Gröne ein ausführliches Konzept erarbeitet hatte, bemühte sich die Schule vor allem um Partner und Unterstützer bei der Stadt und beim Kreis. Schnell wurde klar, dass man mit dem Projekt den Nerv der Zeit getroffen hatte. So ist zwischenzeitlich für die Räume der achten Klassen ein kabelloser Internetzugang eingerichtet worden. Das Lehrerteam wurde für den Einsatz der iPads fortgebildet.

Finanziert wird die Anschaffung der mobilen Geräte durch den Verzicht auf die Fortführung eines konventionellen Computer-Raums in der Schule und die dadurch freiwerdenden Geldmittel. Allerdings stehen laut Cornelia Scherer noch drei weitere PC-Arbeitsräume zur Verfügung. Angedacht ist, dass die 32 iPads wechselweise und gezielt von den verschiedenen Klassen der achten Jahrgangsstufe im Unterricht eingesetzt werden.

Horst Tegeler, Leiter des Zentrums für Bildung, Medien und Beratung des Kreises Lippe, zeigte sich auf Anfrage der LZ hocherfreut von dem Modellprojekt, dem er eine bahnbrechende Wirkung zutraut: „Viele Schulen sind auf dem Sprung, das Potenzial des digitalen Lernens für sich zu nutzen. Wir sind gespannt auf die wichtigen Erfahrungen, die jetzt in Aspe gesammelt werden."

Kommentar: Zu Hause am Touchscreen

von Stefan Backe

Man kann von der Digitalisierung der Welt, der scheinbar endlosen Beschleunigung von Nachrichten und Nicht-Nachrichten halten, was man will: Umkehren kann man den Zeitgeist nicht mehr. Umso wichtiger ist es, dass sich Schule nicht als Parallel-Universum präsentiert, an dessen Eingangstür die Lebenswirklichkeit endet – wobei die Kinder und Jugendlichen ihre Smartphones auf dem Schulgelände aus meiner Sicht gerne ausgeschaltet in der Tasche lassen können.

Ein paar zwischenmenschliche Kontakte in der Pause können bei all dem Getippe und Gewische auf dem Handy-Display nicht schaden. Aber das nur nebenbei. Was ich eigentlich sagen wollte, ist: Toll, dass sich die Gesamtschule Aspe als lippischer Vorreiter auf den Weg macht, die Schüler dort abzuholen, wo sie zu Hause sind – am Touchscreen.

Der Einsatz der Tablets bietet eine große Chance, den Unterricht in einigen ausgewählten Einheiten durch den Einsatz digitaler Medien entscheidend zu bereichern. An Motivation dürfte es den Jugendlichen nicht mangeln. Und nebenbei können die Lehrer die Gelegenheit ergreifen, mit den Schülern generell über Nutzen, Gefahren und Halbwertzeit der digitalen Welt zu sprechen.

sbacke@lz.de

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