Das Leben ist in das Gut Volkhausen zurückgekehrt

Katrin Kantelberg

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Gut Volkhausen in Retzen - © Vera Gerstendorf-Welle
Gut Volkhausen in Retzen (© Vera Gerstendorf-Welle)

Bad Salzuflen-Retzen. Es ist ein lang gehegter Traum, den sich Kework Apochian erfüllt hat: Wohnen und Arbeiten auf einem Gut mit landwirtschaftlichem Betrieb. Mit viel Einsatz und Energie hat der Spenger Zahnarzt diesen Wunsch auf dem Gut Volkhausen realisiert.

Die Hofanlage stand mehr als 16 Jahre leer, als Kework Apochian und Ehefrau Dagmar Ellerbrock 2011 auf das verwaiste Anwesen an der Korl-Biegemann-Straße in Retzen stießen. Der Zustand des Hauses samt 3,5 Hektar Hoffläche war zwar miserabel, die Substanz aber erhaltenswert. Die drei Töchter waren schnell überzeugt, Kework Apochian begeistert, nur Dagmar Ellerbrock stand der Idee des Landlebens zunächst zögerlich gegenüber.

Letztlich war es der alte Magnolienbaum, der sie überzeugte: In prächtiger Blüte flankierte er das Haus und nahm sie mit allen Sinnen für sich ein. Seitdem ist auch Dagmar Ellerbrock angekommen: Es ist die Ruhe, das besondere Licht, der schier endlose Blick von ihrem Arbeits- und Esszimmer über die leicht abfallenden Wiesen und Äcker, die für die Professorin der Technischen Universität Dresden den Ort so lebenswert machen. Und auch die Retzer haben es ihnen leicht gemacht. „Als wir im Oktober einzogen, standen sie mit Kuchen vor der Tür", froh darüber, dass im alten Gutshaus endlich wieder Leben eingezogen ist.

Dafür aber haben die Apochians viel Zeit, Energie und Geld investiert. Knapp drei Jahre sollte die Sanierung des 1911 erbauten Gutshofes dauern, bevor die fünfköpfige Familie im vergangenen Oktober aus Bielefeld in das unter Denkmalschutz gestellte Gebäude ziehen konnte. Geplant war die lange Bauzeit nicht. 18 Monate hatte Kework Apochian ursprünglich für das Haus angesetzt – und fertig, erklärt der gebürtige Süddeutsche, „sind wir noch lange nicht". In enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt hat er in den vergangenen Jahren das Gebäude von Grund auf saniert, dabei aber versucht, die alte Substanz so weit als möglich zu erhalten.

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Das Haus wurde entkernt, der gesamte Grundriss erhalten und manches auch wieder in den historischen Kontext gesetzt. Das Leutezimmer etwa, in dem sich früher die Angestellten zu Frühstück und Mittagessen trafen, wurde saniert; die alten Fliesen im großzügigen Treppenhaus und im Windfang erhalten, ebenso wie die dunkel gebeizte Eichentreppe.

Die Apochians ersetzten die Kunststofffenster durch Holzfenster, die nach Originalvorgaben gefertigt wurden, arbeiteten die Kassettentüren in Handarbeit auf, und verhalfen angelaufenen Messingklinken und -beschlägen zu altem Glanz. Windfang und Entree, ehemaliges Herrenzimmer, Wohn- und Essbereich, Küche und sieben Zimmer in der oberen Etage verteilen sich auf gut 380 Quadratmeter. Lichte, weite Räume, die durch große Fenster den Blick auf Hof und Landschaft schenken.

Im Keller ist noch der Grundriss des abgebrannten Vorgängerhauses zu finden: Pökelwannen, Räucherkammer und alte Konservenmaschinen zeugen davon, wie ehemals auf dem Hof das Fleisch haltbar gemacht wurde. Hinter alten Tapeten tauchte in den oberen Etagen die Lippische Landes-Zeitung auf. Die sparsamen Vorbesitzer hatten sie als Makulatur benutzt, und die Zeitungsseiten aus den 50er Jahren dokumentierten den neuen Eigentümern, wann es im Haus zuletzt Renovierungen gegeben hatte.

Ab Sommer will sich der passionierte Bauherr dann um die Hofanlage kümmern. Die Fassaden von Rinder- und Pferdestall, Schweinestall mit Korntrocknung, Kotten und Mühle sollen mit dem Gutshaus ein harmonisches Ensemble bilden. Sie bieten Platz für die landwirtschaftlichen Maschinen, mit denen Kework Apochian gemeinsam mit einem angestellten Retzer Landwirt die 90 Hektar Ackerfläche des Anwesens bewirtschaftet.

Drei weitere Jahre hat er für die Sanierung der Hofanlage angesetzt. Und dann – vielleicht, wenn alles fertig ist, kann auch die Öffentlichkeit beim „Tag des offenen Denkmals" bewundern, wie das neue Leben aus den alten Gemäuern spricht.

Das Gut Volkhausen in Retzen

Das Gut Volkhausen in Retzen

Der Dichter

Das Gut Volkhausen wurde 1911 von Dr. Ulrich Volkhausen (1854 bis 1937) erbaut. Volkhausen verfasste als Korl Biegemann plattdeutsche Gedichte, Redensarten und Sprichwörter („Twisken Biege und Weern", „Late Sommer") und war als Arzt in Schötmar tätig. Nach ihm sind in Bad Salzuflen zwei Straßen benannt. Volkhausen wuchs auf dem elterlichen Anwesen in Retzen auf, das 1911 abbrannte und wenig später unter seiner Leitung neu errichtet wurde.

Laut Denkmalamt zeigt das Gut Volkhausen exemplarisch die Entwicklung des ländlichen Bauens im Salzufler Stadtgebiet und dokumentiert, dass auch auf dem Land Wohnbauten entstanden, die dem Trend der städtischen Wohnvorstellungen entsprachen. „Das anspruchsvolle und funktionale Bauwerk", so das Denkmalamt, zählt zu den wenigen im wesentlichen unveränderten Gebäuden des Architekten Gustav Messmann.

Der Hauptausschuss als zuständiges politisches Gremium hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, das Gutshaus auf die Denkmalliste zu setzen.

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