Anonyme Alkoholiker treffen sich wöchentlich in Bad Salzuflen

Dieter Asbrock

  • 0
Ein Glas zuviel: Wer alkoholkrank ist, muss Bier, Wein und Hochprozentiges konsequent meiden. - © BirgitH/Pixelio.de
Ein Glas zuviel: Wer alkoholkrank ist, muss Bier, Wein und Hochprozentiges konsequent meiden. (© BirgitH/Pixelio.de)

Bad Salzuflen. Es ist still. In einem Raum im Erdgeschoss sitzen sechs Personen – Alkoholiker und Angehörige von Suchtkranken. Drei Frauen und drei Männer. Niemandem sieht man das Problem an, das sie mit Alkohol haben.

Auf dem Tisch befinden sich Wasserflaschen, die Zeitschrift „AA-DACH" der Anonymen Alkoholiker für Deutschland, Österreich und die Schweiz, und ein Holzschild mit dem Gelassenheitsspruch. Einer eröffnet mit der Präambel der AA das Meeting. Danach folgt das sogenannte Rundgespräch.

Ein typischer Gesprächsbeitrag könnte nach Mitteilung der Salzufler AA-Gruppe so aussehen: „Mein Name ist Heinz, und ich bin ein stolzer, trockener und zufriedener Alkoholiker. So melde ich mich oftmals im AA-Meeting, und das aus vollster Überzeugung. Ich behaupte, dass ich zwei Leben habe. Ein Leben mit Alkohol und eins ohne. Wenn ich noch einmal neu anfangen dürfte, würde ich das Leben ohne Alkohol wählen.

Denn seit ich keinen Alkohol mehr trinke, ist vieles besser geworden. Mein schlechtes Gewissen ist verschwunden, ich bin ehrlicher geworden, kann zu jeder Tages- und Nachtzeit Auto fahren, habe morgens nach dem Aufstehen keinen Kater mehr, muss mir den Alkohol nicht mehr beschaffen, die Flaschen nicht mehr verstecken, das Leergut nicht mehr entsorgen. Ja, auf diese Dinge bin ich stolz.

Alkoholiker, das waren in meiner Vorstellung Menschen, die mit langen, fettigen Haaren, zerrissenen Klamotten, übel riechend, betrunken auf Parkbänken liegen oder unter Brücken schlafen. Heute weiß ich, dass es Betroffene in allen Bevölkerungsschichten und jeder Altersgruppe gibt. Der Alkohol macht keine Unterschiede, ob reich oder arm, ob jung oder alt, ob groß oder klein, ob krank oder gesund, er schleicht sich als Freund ein und ist äußerst heimtückisch. Welcher gesunde Mensch trinkt freiwillig Lösungsmittel? Das habe ich jahrelang gemacht.

Der Alkohol ist ein prima Lösungsmittel, er löst Bankkonten auf, er löst Freundschaften auf, er löst Arbeitsverhältnisse auf, er löst Führerscheine auf, er löst Ehen auf, er löst Organe und Knochen auf. Massenhaft Lösungsmittel trinken, das kann doch nur krankhaft sein, oder?"

Wie die Anonymen Alkoholiker in der Salzestadt treffen sich wöchentlich rund zwei Millionen Betroffene auf der ganzen Welt. Das Rezept gegen den Alkohol ist einfach und weltweit dasselbe: Das erste Glas stehen lassen.

Information
Regelmäßige Gesprächsrunden
Die Treffen der anonymen Alkoholiker werden jeweils von jemanden aus der Gruppe geleitet. Sie laufen weltweit nach den gleichen Regeln ab. Alle sprechen sich mit Vornamen an, keiner wirft dem anderen etwas vor, jeder darf reden, keiner muss. Hier sind alle gleich, ob Banker oder Maurer. Und jeder soll seine Geschichte erzählen dürfen.

Die seines Lebens, der letzten Tage, der letzten Stunden. Es sind verschiedene Geschichten von Geldproblemen, von Familienproblemen, von Freund- und Feindschaften oder von Arbeitsproblemen.

Jeder, der sich angesprochen fühlt, ist herzlich eingeladen, die Salzufler AA- oder AL-Anon-Gruppe donnerstags von 19.30 bis 21 Uhr im Gemeindehaus der Lutherischen Kirchengemeinde kennenzulernen.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2016
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.