"Container am Schulzentrum Lohfeld sind eine Zumutung"

Dieter Asbrock

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Hier macht Lernen keinen Spaß: Wenn die Schüler der zehnten Klassen in ihre Räume gehen, bebt der Boden, der Lärmpegel ist enorm. Daniela Niemann steht vor einer der vielen Sperrholzplatten, die notdürftig die vielen Risse und Löcher in den instabilen Wänden verdecken. Ständig muss hier aufs Neue geflickt werden. - © Dieter Asbrock
Hier macht Lernen keinen Spaß: Wenn die Schüler der zehnten Klassen in ihre Räume gehen, bebt der Boden, der Lärmpegel ist enorm. Daniela Niemann steht vor einer der vielen Sperrholzplatten, die notdürftig die vielen Risse und Löcher in den instabilen Wänden verdecken. Ständig muss hier aufs Neue geflickt werden. (© Dieter Asbrock)

Bad Salzuflen-Schötmar. Keine Toiletten, kein warmes Wasser und defekte Heizungen - die Zustände der provisorischen Container an der Eduard-Hoffmann-Realschule sind für die Schulpflegschaft untragbar. Trotzdem sollen die Schüler des zehnten Jahrgangs hier ihren Abschluss machen.

„Die Container im Lohfeld sind in einem sehr desolaten Zustand – hier muss massiv etwas geschehen!" Mit diesen Worten drückt Daniela Niemann, Schulpflegschaftsvorsitzende der Eduard-Hoffmann-Realschule, dem Vorsitzenden des Bildungsausschusses einen Stapel mit 600 Unterschriften gegen die Zustände im Lohfeld in die Hand.

„Die haben wir in nur zwei Tagen gesammelt", bekräftigt sie gegenüber Frank Sommerfeld (SPD) zu Beginn der jüngsten Ausschuss-Sitzung – ein Beleg für die große Unzufriedenheit der Eltern der Realschüler.

Tatsächlich ist die Mängelliste enorm lang. Die Wellblech-Fassade täuscht von außen einen besseren Zustand vor, als man innen vorfindet – davon überzeugte sich die LZ bei einem Rundgang mit Daniela Niemann: „Die Wände sind verschmutzt, Risse werden notdürftig gespachtelt, Löcher mit Spanplatten zugedeckt. Die Elektroheizungen sind ständig defekt, es gibt keine Toiletten, die Wände sind nicht schalldicht, Türen schließen nicht ordentlich, im Sommer ist es zu heiß, im Winter zu kalt", zählt sie auf.

In den Klassenzimmern sieht es nicht besser aus. „Die Luft ist schlecht, den miefigen Geruch bekommt man auch durch Lüften nicht raus", stellt Florian, Schülersprecher der 10a, fest. „Die Akustik ist schlecht, und wenn auf dem Flur Schüler sind, kann man sich nicht aufs Lernen konzentrieren."

Toilettengänge seien in der Fünf-Minuten-Pause nicht zu schaffen, weil man dafür ins Hauptgebäude müsse. Die Jalousien ließen sich nicht schließen, wenn man nicht zuvor das Fenster öffne, merkt ein anderer Schüler an.

Auflösungserscheinungen: Daniela Niemann deutet auf den sich ablösenden Teppichboden. Die Scheibe, die mal im Türausschnitt war, ist schon lange defekt, der Ersatz wird mit viel Silikon, Metall-Leisten und Schrauben an seinem Platz gehalten. Überall in den Lohfeld-Containern wird versucht, den Verfall durch Flickschusterei aufzuhalten. - © Dieter Asbrock
Auflösungserscheinungen: Daniela Niemann deutet auf den sich ablösenden Teppichboden. Die Scheibe, die mal im Türausschnitt war, ist schon lange defekt, der Ersatz wird mit viel Silikon, Metall-Leisten und Schrauben an seinem Platz gehalten. Überall in den Lohfeld-Containern wird versucht, den Verfall durch Flickschusterei aufzuhalten. (© Dieter Asbrock)


Eine Lehrerin, die ungenannt bleiben will, beklagt die schlechte technische Ausstattung: Der Overhead-Projektor sei defekt, es gebe keinen Beamer oder Bildschirm für den Unterricht, Licht und Strom fielen gerne aus. Unter dem Waschbecken, an dem es kein warmes Wasser gibt, sind große Wasserflecken zu sehen, der Teppichboden löst sich stellenweise vom Untergrund, die Staubsauger seien meist defekt. Der Hausmeister müsse eigentlich ständig etwas reparieren.

„Wir fühlen uns hier ziemlich allein gelassen", fasst Daniela Niemann die allgemeine Unzufriedenheit zusammen. Die Schulpflegschaft habe die gefundenen Mängel in Wort und Bild dokumentiert und den Unterschriftenlisten beigefügt. Damit das nicht untergeht, wünscht sie sich: „Der Bürgermeister und die Politiker sollten sich die Zustände hier einmal ansehen. Es ist eine Zumutung für die zehnten Klassen, dass sie unter diesen Bedingungen ihren Abschluss machen sollen."

Information

Dauerhafte Übergangslösung

2011 hat die Stadt 14 Container angeschafft, in die Klassen des Schulzentrums für die Dauer einer Fassadensanierung und des Mensabaus vorübergehend umquartiert werden sollten. Durch weitere Bau- und Sanierungsmaßnahmen hat sich die Nutzungsdauer allerdings deutlich verlängert.

Die Verwaltung geht davon aus, dass die letzten Baumaßnahmen erst 2018 abgeschlossen sind und man bis dahin nicht auf die Container verzichten kann. Dass diese immer noch für den Unterricht genutzt werden, ist der anhaltenden Raumnot geschuldet.

Eine Ursache dafür ist auch, dass die totgesagte Hauptschule sich weit besser entwickelt, als vor Jahren prognostiziert wurde. Drei Schulformen teilen sich daher einen Standort, der eigentlich nur für zwei konzipiert worden ist.

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