Preis für eine „Herzensangelegenheit"

Guntmar Wolff

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Übergabe: Günter Dahm (links) nimmt Medaille und Urkunde sichtlich gerührt aus den Händen von Stefan Wiesekopsieker und Beate Hoffmann-Hildebrand entgegen. - © Guntmar Wolff
Übergabe: Günter Dahm (links) nimmt Medaille und Urkunde sichtlich gerührt aus den Händen von Stefan Wiesekopsieker und Beate Hoffmann-Hildebrand entgegen. (© Guntmar Wolff)
Bad Salzuflen. Bereits zum vierten Mal hat der Heimat- und Verschönerungsverein Bad Salzuflen (HVV) die Rudolf-Günther-Medaille verliehen. In diesem Jahr ging die begehrte Auszeichnung an den Salzufler Architekten Dipl.-Ing. Günter Dahm. „Damit wollen wir ein hervorragendes Engagement für den Erhalt der historischen Bausubstanz unserer Stadt würdigen", erklärte der Vorsitzende des HVV, Dr. Stefan Wiesekopsieker.

Entschieden habe sich die Jury in diesem Jahr für das Objekt des Architekten, das er selbst in der Wenkenstraße 12 bewohnt. „Das befindet sich im ältesten Teil unserer Stadt am Hafermarkt", so Wiesekopsieker. Das schmale Haus, ohne viel Grund und Boden herum, sei früher zumeist als Wohnhaus genutzt worden. „Später", so erfuhren die Gäste, „wurde in das Erdgeschoss ein Ladengeschäft eingebaut, was allerdings bereits vor der Eintragung in die Denkmalliste im Jahre 1990 geschah", erklärte der Leiter des HVV.

Leider sei das Haus in den folgenden Jahren immer mehr verkommen. „Erst mit Günter Dahm fand sich ein Liebhaber, der es ernst meinte und das Haus zu einem Wohnhaus mit zwei Wohneinheiten umbauen ließ, wodurch auch ein lästiger Ladenleerstand beseitigt werden konnte", freute sich Wiesekopsieker, der unterstrich, dass die Maßnahme überdies eine Aufwertung des gesamten Quartiers darstelle.

Besondere Mühe hat sich Dahm laut der Laudatio mit der Wiederherstellung der Fassade gegeben – wobei angesichts fehlender Baupläne zunächst fraglich gewesen sei, wie die zerstörten Fenster und die ursprüngliche Tür ausgesehen haben. „Glücklicherweise ließ sich ein Foto aus dem Jahre 1910 finden, das den damaligen Zustand zeigt, und wonach nun der Rückbau vorgenommen wurde", freute sich der Laudator.

Mit den Worten: „Ich gratuliere Ihnen für Ihr mutiges Vorhaben, und dass Sie das Haus denkmalgerecht und behutsam auf Vordermann gebracht haben", überreichte Wiesekopsieker gemeinsam mit der zweiten stellvertretenden Bürgermeisterin Beate Hoffmann-Hildebrand Urkunde und Medaille an den Geehrten. Dieser nahm die Auszeichnung sichtlich gerührt unter lang anhaltendem Beifall der versammelten Gäste entgegen und wies daraufhin, dass es ihm eine „Herzensangelegenheit" gewesen sei.

Information
Günther schuf mehr als 60 Häuser in Bad Salzuflen

Rudolf Günther, der am 8. Januar 1880 in Schötmar geboren wurde und 1941 verstarb, war zu Lebzeiten einer der gefragtesten Architekten seiner Heimatstadt Salzuflen, deren Stadtbild er entscheidend prägte. Zwischen 1909 und 1941 schuf Günther mehr als 60 Gebäude, von denen viele noch stehen. Über ein Dutzend wurden bis heute unter Denkmalschutz gestellt. Bei der Mehrzahl der Gebäude handelt es sich um Wohn- und Pensionshäuser, die für Günther typisch oft als Doppelhäuser gestaltet waren. Die von ihm vertretenen Baustile reichten dabei vom Jugendstil über die Bäderarchitektur bis zum Neuen Bauen. Sein 1912 erbautes Haus Bender zählt heute zu den bedeutendsten Bauwerken der Bäderarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts in Westfalen.

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