Der Juwelier Brockschmidt feiert seinen 125. Geburtstag

Jubiläum: Der Juwelier Brockschmidt feiert seinen 125. Geburtstag. Viele historische Bilder im Schaufenster zeigen einen Familienbetrieb im Wandel der Zeit

Sandra Castrup

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Wertvolle Erinnerungen: Antje Schulz zeigt vor dem Laden in der Begastraße ein historisches Foto, das frühere Mitarbeiter in der Werkstatt des Juweliergeschäfts zeigt. - © Castrup
Wertvolle Erinnerungen: Antje Schulz zeigt vor dem Laden in der Begastraße ein historisches Foto, das frühere Mitarbeiter in der Werkstatt des Juweliergeschäfts zeigt. (© Castrup)

Bad Salzuflen-Schötmar. Hündin Amy liegt gemütlich vor der Trauring-Ecke, zwei Mitarbeiterinnen unterhalten sich angeregt mit einer Kundin. Das hätte es zu Oma Brockschmidts Zeiten nicht gegeben. Das strenge Regiment ist zwar passé, die Familientradition wird aber hochgehalten.

In diesen Tagen ist die sonst so moderne Dekoration in den Räumen an der Begastraße retro. Aus gutem Grund. Schließlich feiert Juwelier Brockschmidt nicht irgendeinen, sondern den 125. Geburtstag. Antje Schulz hat tief in die Archiv-Kiste gegriffen und historische Fotos zutage gefördert, die das Unternehmen im Wandel der Zeit verbildlichen. Vor vier Jahren übernahm sie das Geschäft von ihren Eltern Ulrich und Ingrid Schulz, obwohl das gar nicht ihr ursprünglicher Plan war. „Nach den Ausbildungen zur Goldschmiedin sowie zur Einzelhandelskauffrau wollte ich eigentlich nur eine kurze Zeit überbrücken“, erzählt die 38-Jährige schmunzelnd von einem Schritt, der sich dann einfach ergeben habe.

Antje Schulz ist in dem Juwelier-Geschäft groß geworden. „Meine Mitarbeiterinnen Ursula Ebner und Annette Grudszus arbeiten hier schon vier Jahrzehnte. Das waren immer Ersatzmuttis für mich, fast wie Familie.“ „Wieso nur fast?“, wirft Erstgenannte gespielt entrüstet ein. Die 58-Jährige sagt zu ihrer Chefin „Du“, wird andersherum aber gesiezt. „Das hat sich so entwickelt“, spricht Antje Schulz von der Macht der Gewohnheit.

Nicht nur die schönen Erinnerungen an die vergangenen Jahrzehnte sind ihr im Gedächtnis geblieben. „Ich werde nie eine total hässliche Enten-Spardose aus Silber vergessen. Wir Kinder konnten uns unser Taschengeld aufbessern, indem wir das Silber-Besteck geputzt haben. 50 Pfennig gab es, glaube ich. Auf jeden Fall musste ich auch immer die scheußliche Ente putzen. Ein echter Design-Fauxpas. Deshalb sind meine Eltern diesen Ladenhüter auch nicht losgeworden und irgendwann meinte mein Vater es gut und hat sie mir geschenkt.“ Antje Schulz muss grinsen: „Danach ist sie ganz schnell verschwunden.“

Verschwunden sind auch Amphoren, Tabletts oder Großuhren, die vor mehr als 100 Jahren noch das Sortiment mitbestimmten. „Wir haben uns immer schon an Kundenwünschen orientiert. Deshalb haben wir hochwertige, exklusive Schmuckstücke nach und nach um den modischen Bereich ergänzt.“ Den guten Ruf des alteingesessenen Unternehmens mag Antje Schulz weder sich noch ihren Eltern zuschreiben. „Das liegt einfach an der langen Tradition an diesem Standort“, glaubt die Unternehmerin. Was sie sich für die nächsten 25 Jahre wünscht? „Auf jeden Fall hier bleiben – egal wie schwer sich Schötmar momentan mit der Entwicklung tut.“

Information
Zwei Brüder legen den Grundstein

1892 gründeten die Brüder Fritz und Wilhelm Brockschmidt ein Fachgeschäft für Uhren, Schmuck und Optik-Artikel. 1902 folgte der Wechsel des Betriebs in das elterliche Haus an der Begastraße 23 in Schötmar. 1935 trat Schwiegersohn Hans Schulz in das Unternehmen ein und führte es mit seiner Frau Ella, geborene Brockschmidt, weiter. Das Sortiment wuchs, die Räume reichten nicht aus und es kam zu einer Separierung der Optik-Abteilung ins Nachbargebäude. Jahre später wurde das Optik-Geschäft verkauft. Das Juweliergeschäft wurde weitergeführt und 1977 von Uhrmacher-Meister Ulrich Schulz und seiner Frau Ingrid übernommen. 2001 stieg Tochter Antje ein, seit 2008 arbeitet ihr Bruder Kai-Michael Schulz schwerpunktmäßig in der Werkstatt mit. Seit 2014 ist Antje Schulz die alleinige Geschäftsführerin.

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